Ronneburg – Hessische Heimat der Ritter

Im Sommer 2012 besuchte ich eine Freundin in der Nähe von Frankfurt. Da sie meine Leidenschaft für Schlösser und Burgen kennt, hat sie einen Besuch auf der hessischen Ronneburg eingeplant, was mich – nicht sehr überraschend nach der Aussage oben – sehr gefreut hat.

An einem bewölkten, dafür aber warmen Nachmittag, sind wir zur Burg gefahren und ins Mittelalter eingetaucht.

Die Ronneburg ist nicht so berühmt, wie ihre großen Schwestern, die Wartburg oder die Burg Hohenzollern, dafür kann sie stärker das Leben der adligen „Mittelschicht“ widerspiegeln. Die meisten Räume sind offensichtlich nicht zu Repräsentationszwecke gebaut sondern dienten tatsächlich als Wohnräume. Der Speisesaal und der Ballsaal sind etwas größer und protziger, aber die meisten Räume sind richtig gemütlich.

Die Ronneburg wurde schriftlich zum ersten Mal 1231 erwähnt, auch wenn vermutet wird, dass die Burganlage um einiges älter ist. Die Familie der Erbauer starb noch im 13. Jahrhundert aus und die Burg gelangte nach mehreren Umwegen in den Besitz des Erzbistums Mainz, der die Burg mehrfach verpfändete – bitte fragt mich nicht mehr, wann und an wen 🙂 Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Burg praktisch von einem Herrscher zum anderen hin und her gereicht. Die Besitzverhältnisse änderten sich durch mehrere Kriege ständig – dabei ging der Besitz nicht immer friedlich von einem Eigentümer zum anderen. Jeder Eigentümer fügte der Burg noch etwas hinzu, nicht immer darauf achtend, im Einklang mit den Vorbauten zu sein, was man der heutigen Anlage durchaus ansieht.

Für ein echtes mittelalterliches Gefühl und einen guten Eindruck davon, wie man abseits von Prunk und Pomp damals gelebt hat, kann ich einen Besuch auf der Ronneburg wärmstens empfehlen.

Kurz hinter den Toren direkt die erste beeindruckende Eigenheit der Ronneburg: Der 96 Meter tiefe Brunnen, der die Burg auch in Belagerungszeiten mit Wasser versorgen konnte. Wenn man einen Eimer Wasser in den Brunnen kippt, dauert es etliche Sekunden, bis das Wasser den Boden erreicht.

Die Burg ist eine Erlebniswelt für Kinder. Überall stehen Pappschilder, die den Kindern ein Bild von sich selbst mit den Gewändern der Zeit gut vermitteln können. Ich habe mich gerne als Burgfräulein versucht hehe Wie auf jeder Burg, die etwas auf sich hält, darf die Ritterrüstung nicht fehlen. Warum diese hinter Gittern stand, weiß ich nicht, aber es gab auch welche zum Anfassen und sogar welche zum Anprobieren 😉

Ronneburg - Am Pranger

Die Burgbewohner hatten ihre eigenen Strafen für Verbrechen. Je nach Schwere der Tat hing man am Pranger oder musste schwere Strafen erdulden. Ich frage mich, wie viele Verbrechen damals tatsächlich bewiesen wurden…

Heute kann man hinter den Gittern lächeln. Früher war das bestimmt nicht lustig. Es läuft einem schon eiskalt den Rücken runter, wenn man bedenkt, wie viel Grauenvolles in dieser Folterkammer passiert sein mag.

Schön an der Ronneburg sind zum einen die vielen engen Gängen, die zumindest in meiner Phantasie eng mit dem Leben im Mittelalter verknüpft sind. Alles war steinig, eng, zugig und kalt. Zum anderen hat die Ronneburg wunderschöne Erkerfenster, die bei schönen Tagen und klarem Wetter einen herrlichen Blick nach draußen ermöglichen.

Leider konnte ich die meisten Räume nicht gut im Bild erfassen. Wie meistens auf so mittelalterlichen Burgen, waren die Räume eher dunkel, so dass viele Bilder unbrauchbar waren. Schade… schade… aber vielleicht komm ich nochmal dahin 😉

Bogenschießen

Bogenschießen hat eine lange Tradition auf der Ronneburg. Es wird sogar ein Bogenbau-Seminar angeboten. Dieses Bild entstand allerdings nicht auf der Ronneburg sondern davor. Als ich da war, fand gerade ein Mittelalterfest statt, aber sogar mit viel Unterstützung habe ich nicht ins Schwarze treffen können 😉 Es hat trotzdem Spaß gemacht.

Fazit

Die Ronneburg ist offen für Besichtigungen, obwohl sie immer noch im Privatbesitz ist, soweit ich verstanden habe. Vom Bergfried aus – den ich trotz meiner Höhenangst mutig erklommen habe – hat man eine wunderschöne Aussicht. Wenn das Wetter mitspielt, kann man von oben bis nach Frankfurt sehen. Bei meinem Besuch spielte das Wetter trotz der dichten Bewölkung mit und ich konnte kilometerweit sehen.

Sehr interessant ist bestimmt auch die Flugshow der Falknerei, die täglich um 15:00 stattfindet. Wir waren für die Flugshow allerdings zu früh.

Auf der Ronneburg finden jährlich Mittelalter- und Ritterfestspiele statt, die faszinierend schön sind – wenn man weiß, dass es nur Festspiele sind und man selbst mit beiden Beinen gut im 21. Jahrhundert verankert ist 😉

Link zur Homepage: Ronneburg

Öffnungszeiten: Von 10 bis 18 Uhr. Letzter Einlass 17 Uhr.

Vorsicht: Montag ist Ruhetag. Im Winter ist die Burg geschlossen.

Dieser Beotrag nimmt an der Blogparade „Mehr Aufmerksamkeit für einen Artikel“ vom Mai 2017 von Yoyo unter frauschweizer.de.


3 thoughts on “Ronneburg – Hessische Heimat der Ritter

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  2. […] Auch auf Platz 2 der am wenigsten gelesenen Artikel steht die Geschichte einer Burg: „Ronneburg.... faszinationeuropa.de/2016/10/27/blogstatistiken-1-jahr-faszinationeuropa
  3. […] Einen Ausflug in heimische Gefilde machen wir mit dem Blog Faszinationeuropa.„…Auf der R... frauschweizer.de/blogparade-mehr-aufmerksamkeit-fuer-einen-artikel

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