Frankfurt am Main

Mein Besuch in Frankfurt fand 2010 statt. Ich war mit Freundinnen unterwegs und habe mir die Metropole am Main vorgenommen 🙂 Der Kontrast zwischen den modernen BankenhĂ€user und dem alten Stadtkern könnte nicht grĂ¶ĂŸer sein. Interessanteweise ist das GebĂ€ude der berĂŒhmten Börse recht unmodern – wenn man das so sagen darf. Es wirkt altehrwĂŒrdig und bestĂ€tigt, dass Frankfurt aus Tradition und nicht zufĂ€llig Deutschlands Finanzmetropole ist.

Neben dem ganzen modernen Schnickschnack um die Glaspalasten der Banken, darf man aber nicht vergessen, dass Frankfurt im Mittelalter gegrĂŒndet wurde und in der deutschen Geschichte eine bedeutende Rolle gespielt hat. Leider wurde die schöne Altstadt im Zweiten Weltkrieg fast vollstĂ€ndig zerstört. SpĂ€ter wurden viele GebĂ€ude originalgetreu wieder aufgebaut – ein GlĂŒck, wenn ihr mich fragt. Trotzdem, soweit ich verstanden habe, ist ein Großteil der mittelalterlichen FachwerkhĂ€user nicht mehr aufgebaut worden und ist unwiederbringlich verloren. DafĂŒr ist Frankfurt verkehrsfreundlicher gebaut worden – was bedeutet, dass die Straßen so gebaut und angeordnet wurden, dass sie das heutige Verkehrsaufkommen besser verkraften können.

In nur einem Tag hatten wir natĂŒrlich nicht viel Zeit, die ganze Stadt zu erkunden, aber dennoch haben wir viel Schönes gesehen.

1. Altstadt

Der Römerberg (Bild links) ist der Mittelpunkt der Altstadt. Es ist ein großer, wunderschöner Platz mit mittelalterlichen FachwerkhĂ€user. Nach den Bombardements im Zweiten Weltkrieg wurde der Römerberg weitestgehend zerstört. Die FachwerkhĂ€user, die man heute sieht, sind originalgetreue Nachbildungen.

Das heutige Frankfurter Rathaus – der Römer – steht auch auf dem Römerberg (Bild rechts). Das Bild wurde mir von einer guten Freundin zur VerfĂŒgung gestellt, da ich versĂ€umt hatte, ein Bild vom Römer zu schießen (vielen lieben Dank!). Es wurde kurz vor Beginn der Adventszeit geschossen, daher steht vor dem Rathaus ein noch ungeschmĂŒckter Baum.

Warum das Rathaus „Römer“ heißt, ist bis heute recht unklar. Es hat mit Sicherheit nichts mit den Römern, im Sinne des Römischen Reiches zu tun. Einige Vermutungen gehen davon aus, dass „Römer“ aber durchaus eine Bezeichnung fĂŒr einen italienischen Bewohner des Hauses gewesen sein könnte.

KaiserdomEin paar Hundert Meter weiter befindet sich der berĂŒhmte Kaiserdom St. BartholomĂ€us. Wir sind nicht dahin gelaufen, aber ich habe ihn zumindest von weitem geknipst. Der Weg dahin ist aber wirklich nicht weit – keine Ahnung, warum wir nicht hingelaufen sind. Wahrscheinlich, weil es ein wenig bergauf ging *hehe*

Der Name „Kaiserdom St. BartholomĂ€us“ weist auf zwei wichtige Rollen hin, die der Dom im Laufe der Geschichte gespielt hat. Zum einen wird im Frankfurter Dom (angeblich) die SchĂ€deldecke des Apostels BartholomĂ€us beherbergt und zum anderen wurden im Dom in der Vergangenheit die römisch-deutschen Kaiser gekrönt.

Vom Römerberg nur wenige Schritte entfernt steht die Statue Karl des Großen. Auf der Inschrift neben der Statue steht geschrieben: „König Karl der Große (742 – 814). Der Sage nach GrĂŒnder der Stadt Frankfurt. 794 Reichskirchenversammlung unter Karls Vorsitz in Frankfurt. Erste ErwĂ€hnung des Namens Franco No Furd.“

Fraco No Furd bedeutet, soweit ich verstanden habe, Furt der Franken und deutet auf eine Stelle im Main hin, die man in frĂŒherer Zeit nutzen konnte, um den Fluss gefahrlos zu ĂŒberqueren.

Die evangelische Paulskirche hat eine besondere Bedeutung: Sie diente 1848 und 1849 als Treffpunkt der Frankfurter Nationalversammlung – die erste demokratische Volksvertretung Deutschlands.

Die Alte Oper sieht wunderschön aus. Wie fast alle GebĂ€ude in der Frankfurter Innenstadt wurde die alte Oper im Krieg zerstört und spĂ€ter wieder aufgebaut. In der Alten Oper werden heute keine Opern mehr gespielt (dafĂŒr gibt es eine neues GebĂ€ude), sie ist ein Konzertsaal. Der Name ist dennoch geblieben.

Der Eschenheimer Turm – eines der ehemaligen Stadttore entlang der mittelalterlichen Stadtmauer – ist eine der wenigen Bauten, die noch im Originalzustand erhalten geblieben sind. Er ist heute einer von Frankfurts bekanntesten Wahrzeichen.

2. Frankfurt als Finanzmetropole – Mainhattan

Frankfurt Skyline

Einige der bedeutendsten deutschen Banken haben hier ihren Sitz. Von weitem sichtbar ist der Tower der Commerzbank. Daneben – das GebĂ€ude, das ein wenig aussieht, als ob es einen Cowboyhut aufhat 😉 – ist der kleine Sitz der Deutschen Bank. Weiter rechts gibt es noch ein Glastower mit dem Logo der Deutschen Bank – ich nehme an, ein neuerer Sitz. Dazwischen kann ich immer wieder GebĂ€ude mit dem Sparkassen-Logo identifizieren.

Moody’s, Standard & Poors und Fitch – die drei weltweit fĂŒhrenden Ratingagenturen (von denen wir wĂ€hrend der Finanzkrise so viel gehört haben) betreiben ihr EuropageschĂ€ft auch von Frankfurt aus.

Seit 1879 wird auf dem Börsenplatz in Frankfurt gehandelt und verhandelt, in guten wie in schlechten Zeiten. Die beiden Bronzefiguren von Bulle und BĂ€r stehen symbolisch fĂŒr steigende und fallende Aktienkurse. Mir wurde erzĂ€hlt, dass ein „Bullenmarkt“ eine Zeit mit steigenden Kursen bedeutet – was logisch ist, das der Bulle mit erhobenem Haupt dargestellt wird – und ein „BĂ€renmarkt“ eine Zeit mit eher fallenden Kursen heißt.

Zwei Besonderheiten sind mir an der Börse aufgefallen. Zum einen stehen vor der Börse Statuen, die symbolisch fĂŒr die einzelnen Kontinente stehen. Auf der Tafel vor der Börse werden die Statuen erklĂ€rt: „Die sechs hier aufgestellten Figuren waren Teil des Fassadenschmucks des ersten Frankfurter BörsengebĂ€udes von 1843 am Paulsplatz (Alte Börse). Sie reprĂ€sentieren die fĂŒnf Kontinente und den Landhandel und stehen fĂŒr die InternationalitĂ€t des Frankfurter Geld- und Warenhandels.“

Zum anderen gibt es unter den Stauen auf dem BörsengebĂ€ude zwei Engel, die – wie es scheint – mit einem Tablet-PC spielen… Die Erbauer der Börse (1879!!!) waren wohl Hellseher 🙂

EZB und Euro

In Frankfurt befindet sich der Sitz der EuropĂ€ischen Zentralbank – die HĂŒterin des Euro. Der Sitz der EZB ist 2015 umgezogen, daher seht ihr hier das alte GebĂ€ude (der Eurotower) und dem riesengroßen Eurosymbol davor.

Ab 2015 soll in dem Eurotower die EuropÀische Bankenaufsicht einziehen.

3. Kultur in Frankfurt

Wie jeder weiß, ist Goethe in Frankfurt am Main geboren (1749) daher darf er nicht unerwĂ€hnt bleiben, auch wenn Goethe selbst den Großteil seines Lebens nicht in Frankfurt verbracht hat. Bei meinem nĂ€chsten Besuch in Frankfurt werde ich vermutlich auch das Goethe-Haus besuchen.

Schiller hingegen hatte keine besondere Bindung zu Frankfurt. Er hat die Stadt nur bereist. Dennoch wurde zu seinem 100sten Geburtstag ein Denkmal fĂŒr ihn errichtet.

4. Frankfurt Impressionen

Was bei einer Stadtbesichtigung von Frankfurt nicht fehlen darf, ist natĂŒrlich ein Spaziergang entlang des Mains. An einer guten Stelle nicht weit vom Römerberg entfernt liegt der Eiserne Steg, eine FußgĂ€ngerbrĂŒcke ĂŒber den Main. Von der BrĂŒcke aus kann Frankfurt in seiner vollen Schönheit bewundert werden. Auf der einen Seite das hochmoderne Bankenviertel und auf der anderen Seite die erhaltenen GebĂ€ude der Vergangenheit – wie die Dreikönigskirche links im Bild.

Es lohnt sich auf jeden Fall.

Interessant ist auch der Brauch der Liebesschlösser, die ĂŒberall an BrĂŒcken und Pfeiler in ganz Deutschland zu sehen sind. Der Eiserne Steg ist auch ĂŒber und ĂŒber voll von Liebesschlössern – man kann den Paaren nur gutes Gelingen und viel Erfolg wĂŒnschen 🙂

Überall in Frankfurt fallen kleine Parks und GrĂŒnanlagen auf. Soweit ich verstanden habe, nimmt der GrĂŒngĂŒrtel mehr als ein Drittel des Stadtgebietes ein und dient zum klimatischen Ausgleich (es sorgt dafĂŒr, dass die Autoabgase verarbeitet werden und genug Sauerstoff vorhanden ist und bietet den Menschen auch eine Möglichkeit, sich von der Hektik der Großstadt zurĂŒck zu ziehen und zu entspannen).

In den meisten Parks springen Wildhasen herum, die sich absolut nicht von Menschen stören lassen. Man darf ihnen nur nicht allzu nahe kommen, dann hoppeln sie schon davon – aber auch das im aller Ruhe.

Die meisten Parks stellen auch moderne Kunst aus, die vorĂŒbergehend oder dauerhaft in den GrĂŒnanlagen bewundert werden kann. Als Karnevalsfan ist mir der Harlekin in einem der Parks sofort aufgefallen 😉

5. Menschen und AtmosphÀre

Loch im EinkaufzentrumDas Einkaufszentrum mit dem Loch in der Fassade ist das interessanteste GebÀude auf der Einkaufsmeile der Stadt.

Allgemein habe ich Frankfurt als eine typische Großstadt empfunden – laut, hektisch, voller Menschen – Einheimische, Touristen – und sehr bunt. Ich habe in der kurzen Zeit, in der ich in Frankfurt war, gefĂŒhlt alle Sprachen der Welt gehört.

Mir gefĂ€llt die AtmosphĂ€re einer Großstadt sehr gut – ich bin ein Großstadtkind, da kann man nichts machen 🙂 und ich fĂŒhle mich im MenschengewĂŒhl pudelwohl.

Wie die Einheimischen so sind, konnte ich in der kurzen Zeit nicht richtig erfassen. Wenn ich mein Urteil nach meinen Freunden, die in der NĂ€he von Frankfurt wohnen, richten sollte, dann sind die Frankfurter genauso sympathisch, wie ihre Stadt 😉

Eine kleine „Delle“ im guten Eindruck, der die Stadt auf mich gemacht hat, kam erst spĂ€t am Abend. Wenn die GeschĂ€fte geschlossen und die meisten Touristen weggegangen sind, wird es in der Frankfurter Innenstadt etwas unheimlich. Ich kann auch nicht so ganz erklĂ€ren, woran das lag, aber die ganze AtmosphĂ€re kippte ein wenig. Vermutlich weil alles ein wenig verlassen wirkte.

Fazit

Alles in allem hat mir Frankfurt sehr gut gefallen und ich wĂŒrde die Stadt jederzeit wieder besuchen. Vielleicht finde ich das nĂ€chste Mal ein paar versteckte „SchĂ€tze“. Der Gegensatz zwischen moderne und klassische Architektur ist mir nirgends so stark aufgefallen. Der Kontrast schadet der Stadt ĂŒberhaupt nicht, im Gegenteil, es macht es zu einer der interessantesten StĂ€dte Deutschlands – meiner Meinung nach.

Regionlae Köstlichkeiten: Europa kulinarisch.

Buchempfehlung: Literatur zum Reisen


3 thoughts on “Frankfurt am Main

  1. Christina

    Ooooh Frankfurt, meine Heimat, den Artikel seh ich ja jetzt erst 🙂
    Freut mich, dass es dir gefallen hat. Frankfurt ist ja eher nicht so beliebt, wenn ich mich so umhöre. Schade eigentlich, denn du hast schön aufgezeigt, dass es dort eigentlich auch richtig schöne Ecken gibt. Hast du die Skyline bei Nacht gesehen? Das ist doch ein Traum und auch fĂŒr mich immer wieder schön.
    Beim nĂ€chsten Mal solltest du ein bisschen Zeit fĂŒr das Museumsufer mitbringen. Der Palmengarten ist auch einen Ausflug wert. Falls du noch mehr Tipps brauchst oder Fragen hast, kannst du dich gerne bei mir melden 🙂
    Viele GrĂŒĂŸe
    Christina

    1. Maria

      Warum Frankfurt bei Touristen nicht so beliebt ist, verstehe ich nicht so richtig – ich fand Frankfurt schön 🙂 Die Skyline bei Nacht habe ich leider nicht gesehen, weil ich damals nicht daran gedacht habe. NĂ€chstes Mal, wenn ich in Frankfurt bin, denke ich auf jeden Fall mal daran. Danke fĂŒr die Tipps, die notiere ich mir alle fĂŒr meinen nĂ€chsten Besuch in der Metropole am Main – oder, wie ich gelernt habe, dass die Frankfurter sagen: Mainhattan 😉
      Viele GrĂŒĂŸe
      Maria

  2. […] Einen schönen Artikel ĂŒber meine Heimatstadt gibt es auch bei Faszination Europa. […]... triptotheplanet.de/filmmuseum-frankfurt-der-oscar-fuer-schlechtes-wetter

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