Venedig des Nordens – Ein Tag in Amsterdam

Die Stippvisite Amsterdam fand 2010 statt. Dafür, dass die niederländische Hauptstadt recht nah an Köln ist, habe ich sie sträflich vernachlässigt für eine lange, lange Zeit. Von allen Seiten wurde mir erzählt, wie wunderschön Amsterdam mit seinen Grachten und den Fachwerkhäusern ist. Daher habe ich mir 2010 endlich entschlossen, Amsterdam einen Besuch abzustatten – und war etwas enttäuscht 🙁

Wobei das bestimmt mit meiner Erwartungshaltung zu tun hatte – Amsterdam wurde einfach so hoch gelobt, dass die Erwartungen nicht zu erfüllen waren. Dieses Phänomen ist später, bei einem Besuch in Hamburg, nochmal passiert.

Ich versuche trotzdem, objektiv zu sein…

1. Ankunft in Amsterdam

Meine Reise nach Amsterdam fand an einem hochsommerlichen Tag im Juli statt. Die Anreise in einem klimatisierten Zug der Deutschen Bahn (ja, die Klimaanlage funktionierte einwandfrei hehe) war schnell und angenehm. Als ich zwei Stunden später aus dem Zug gestiegen bin, musste ich feststellen, dass ich in ein Backofen getreten bin. Es war warm, wärmer, am wärmsten… Dennoch sind mir gleich nach der Ankunft zwei typische Merkmale aufgefallen:

Ich glaube zwar nicht, dass die vielen holländischen Windmühlen tatsächlich noch in Gebrauch sind. Sie springen einen aber förmlich von „jeder Straßenecke“ an. Vielleicht stehen sie nur noch für die Touristen da, wie die Telefonzellen in London…

Das Meer an Fahrrädern hat mich doch etwas beeindruckt, auch wenn Fahrräder auch in Deutschland zum typischen Straßenbild gehören und Münster bestimmt auch mithalten kann. Nichtsdestotrotz – WOW! Sind das viele Fahrräder 🙂

Was wird einem auf jeden Fall empfohlen, wenn man in Amsterdam ist? Eine Grachtenfahrt zu machen – weil die schönsten Ecken von Amsterdam nun mal am besten vom Boot aus bewundert werden können.

Zum einen: Das stimmt! Man kommt mit dem Boot einmal durch die Altstadt rum und eine gut verständliche Stimme vom Band erzählt einem in mehreren Sprachen über die Geschichte Amsterdams im Allgemeinen und erklärt im Speziellen was man gerade sieht. Die Grachtenfahrt ist auf jeden Fall sehr informativ und eine bequeme Art, sich die Altstadt der niederländischen Hauptstadt anzusehen.

Zum anderen aber: Als ich da war, herrschten Temperaturen von über 30 Grad im Schatten. Unter dieser Glasglocke der Grachtenboote wurden es gut und gerne über 40 Grad heiß. Darüber hinaus kann man davon ausgehen, dass man nicht alleine an Bord ist, sondern mit 100 anderen Passagieren zusammengepfercht auf dem Boot sitzt, was die Umgebung zusätzlich aufheizt.

Alles in allem würde ich eine Grachtenfahrt im Sommer nicht empfehlen. Ich war so damit beschäftigt, nach Kühlung durch einen Lufthauch zu suchen, dass ich so gut wie nichts von der Fahrt mitbekam. Was natürlich sehr schade ist. An kühleren Tagen lohnt sich die Fahrt bestimmt.

2. Altstadt Amsterdam

Vom Boot aus sieht man einen Teil der Altstadt Amsterdam und man wird durch wunderschöne Grachten geführt (wenn man nicht kurz vom Hitzschlag steht und da alles nicht genießen kann 😉 ). Ein kurzer Abstecher auf dem Meer ist bei der Grachtenfahrt vorgesehen. Die Höhepunkte der Fahrt:

Ganz zu Beginn der Grachtenfahrt wird man am Wissenschaftszentrum „Nemo“ vorbeigeführt. Die Stimme auf dem Band erklärt, dass das Zentrum den Besucher Wissenschaft und Technologie näher bringen möchte, durch eine Art große Spielwiese der Technologie. Ein wenig wie das „Deutsche Museum“ in München oder das „Odysseum“ in Köln.

Die Heineken-Brauerei in Amsterdam ist heute ein Museum. Wo das berühmte Bier heute tatsächlich gebraut wird, erfährt man vielleicht, wenn man das Museum besucht, aber ich bin kein besonders enthusiastischer Biertrinker 😉 Daher war ich nicht im Museum drin, aber laut Stimme vom Band wird den Besuchern gezeigt, wie ein Bier entsteht – von dem Brauprozess bis zur fertigen Flasche. Ist bestimmt mal interessant zu sehen.

Der Königspalast – oder auf Holländisch Koninklijk Palais – in Amsterdam war am Tag meiner Reise leider in Renovierung. Von oben bis unten war absolut nichts vom Palast zu sehen, außer der kleinen Kuppel ganz oben. Schade… schade… ich hab ja eine Schwäche für Burgen, Schlösser und Paläste und war sehr enttäuscht, besonders da auch keine Führungen stattfanden. Wenn die königliche Familie gerade nicht im Palast residiert, finden täglich Führungen statt – es sei denn, es wird gerade renoviert.

Soweit ich meinem Stadtführer entnehmen konnte, wurde der Königspalast ursprünglich als Rathaus gebaut. Die Königsfamilie kaufte das Haus erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Man glaubt es kaum 🙂 Der Platz vor dem Palast heißt Dam.

Rechts neben dem Königspalast befindet sich die Nieuwe Kerk, die Krönungskirche, gebaut im 16. Jahrhundert.

Auf dem Dam ragt unübersehbar ein Obelisk in die Luft – das Nationalmonument (oder Nationaal Monument). Es ist errichtet worden um an die Opfer der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkrieges zu erinnern. Soweit ich mich erinnern kann, haben die Niederländer auch in Rotterdam ein ähnliches Monument stehen.

Die Inschrift auf dem Monument heißt übersetzt: „Erde, durch Opfer geweiht, zusammengetragen aus dem ganzen Land, ein Zeichen bis in die ferne Zeit von Erinnerung und unerschütterlichem Band.“

Die Löwenfiguren die das Monument zu bewachen scheinen, stehen symbolisch für die Niederlande.

3. Zu Fuß durch Amsterdam

Auf dem Dam, direkt gegenüber des Königspalastes und der Nieuwe Kerk befindet sich das Wachsmuseum von Madame Tussaud. Ich hab mir im Nachhinein gewünscht, ich hätte lieber das Museum besucht, statt mich im Grachtenbötchen braten zu lassen, aber man kann ja nicht alles haben 🙂

Das Fabrikgebäude auf dem rechten Bild ist, wie vieles in Amsterdam, nicht mehr als Fabrik in Betrieb. Es ist heute ein Wohnhaus. Aber die Beschriftung ist erhalten geblieben. Da das Haus vermutlich unter Denkmalschutz steht, wird es auch für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben – hoffentlich.

Das Haus im Jugendstil (Bild links) war der Sitz einer englischen Versicherung, die es heute in der ursprünglicher Form nicht mehr gibt. Ich glaube, es wurde von einer anderen Versicherung aufgekauft. An der Stelle, wo das Haus mit dem Türmchen steht, fällt es architektonisch stark auf. Man kann es an sich kaum verfehlen.

Was muss man überdies in Amsterdam unbedingt machen? Zumal an einem Sommertag? Auf den Blumenmarkt gehen natürlich 😉 Der Turm mit der großen Uhr (Bild rechts) markiert den Eingang zum Amsterdamer Blumenmarkt. Unbedingt zu empfehlen. Es war eine schöne, bunte, herrlich duftende Erfahrung.

4. Kultur in Amsterdam

Wer kennt ihn nicht, den berühmten niederländischen Maler: Rembrandt Harmenszoon von Rijn? In der Regel kennt man ihn nur nach seinem Vornamen 😉 Er ist überall in Amsterdam sehr präsent. Dennoch bin ich über sein Haus auf meiner Tour eher zufällig gestolpert. Es wirkt unscheinbar, vermutlich weil in Amsterdam einfach unzählige historische Gebäude stehen. Da fällt ein einziges nicht so auf.

In diesem Haus hat Rembrandt von 1639 bis 1658 gelebt und gewirkt. Zumindest steht das auf der Inschrift vor dem Haus. Natürlich ist sein Haus heute ein Museum, in das viele Werke des Künstlers ausgestellt sind. Ich hatte leider keine Zeit, das Museum zu besuchen, es ist aber bestimmt ein Besuch wert. Wenn ich so darüber nachdenke, sind das Rembrandhuis und das Wachsmuseum von Madame Tussaud gewichtige Gründe, nochmal nach Amsterdam zu fahren.

5. Amsterdam Impressionen

Auf dem Waterlooplein (oder Waterloo Platz) wird fast jeden Tag ein Flohmarkt abgehalten – auch an dem Tag, als ich da war. Allerdings habe ich mich nicht so sehr mit dem Flohmarkt beschäftigt, da mein Reisebudget bestimmt sehr darunter gelitten hätte… Ein kurzer Überblick hat mich zum dem Schluss kommen lassen, dass man auf dem Waterlooplein alles findet, was das Herz begehrt.

Das Restaurant „In de Waag“ ist mitten in der Altstadt und ich muss gestehen, dass ich selten ein Lokal gesehen habe, das so schön aussieht. Ob es auch so schmeckt, kann ich nicht beurteilen, da die Preise auf der Speisekarte nicht gerade ein Schnäppchen sind. Man darf aber nicht vergessen, dass das Restaurant in der Innenstadt ist und eine einzigartige historische Atmosphäre bietet 😉 Bei einem zukünftigen Besuch in Amsterdam werde ich mir gut überlegen, ob ich nicht doch eine kurze Pause dort einlege. Der Anblick ist einfach schön.

6. Menschen und Atmosphäre

Mein Besuch in Amsterdam war zu kurz, um die Menschen und die Atmosphäre richtig einschätzen zu können. Außerdem war mir nach dem Backofen im Grachtenboot den ganzen Tag schwummrig, so dass ich den Ausflug kaum mehr genießen konnte.

22 - Ich mach mal auf cool

Die Atmosphäre, die ich dennoch wahrnehmen konnte, war entspannt. Es war im Grunde nicht viel anders, als hier in Deutschland – vermutlich werde ich dafür geköpft, aber das war nun mal der erste Eindruck 😉

Vielleicht war die echte Amsterdamer Atmosphäre auch von den vielen Touristen überlagert. Ich habe alle Sprachen der Welt gehört und Touristen aus allen Herren Ländern gesehen. Amsterdam ist aber groß genug, um die Touristen zu „verschlucken“ ohne ein Gefühl der Beklemmung aufkommen zu lassen – wie Jahre später bei einem Besuch in Brügge.

Übrigens – ich find die Laternen auf dem Bild oben sehr schön…

Fazit

Alles in allem kann ich eine Stippvisite in Amsterdam wirklich empfehlen. Das nächste Mal plane ich ein Besuch über ein ganzes Wochenende und nicht nur ein einzelner Tag, weil ich den Eindruck hatte, dass Amsterdam durchaus viel zu bieten hatte 🙂 Das Stadtbild von Amsterdam erinnert auch viel stärker an die Vergangenheit als die meisterhaften Designs der Wunderhäuser in Rotterdam.

Ich selbst habe vor, noch einmal nach Amsterdam zu reisen und mir die Stadt näher anzusehen. Dieses Mal werde ich aber die Grachtenfahrt nicht mehr machen und mir stattdessen das Rembrandt-Museum und das Wachsmuseum ansehen.

Schönes über Amsterdam in der Bloggerwelt:

  1. Auf den Blog findet ihr eine ganze Reihe von Beiträgen über die wunderschöne Hauptstadt der Niederlanden 🙂
  2. Auf den Blob „Von Ort zu Ort reisen“ findet ihr eine ganze Reihe von Beiträgen über die wunderschöne Hauptstadt der Niederlanden.
  3. B und L von „Sag es nicht weiter“ haben eine großartige Zusammensetzung von Insidertipps in Bezug auf Köstliches und Leckers in Amsterdam zusammengestellt 🙂 Für Inspiration besuchen auf „Immer wieder Amsterdam“.

Buchempfehlung: Literatur zum Reisen


4 thoughts on “Venedig des Nordens – Ein Tag in Amsterdam

  1. Ella Wayfarer Antworten

    Amsterdam ist soooo schön! Ich hae mir damals ein Fahrrad ausgeliehen – super klischeehaft, aber perfekt, um schnell rumzukommen und möglichst viel zu sehen. Würde jederzeit wieder hin! Der Artikel hat mir auf jeden Fall Lust auf Amsterdam gemacht 🙂

    1. Maria Antworten

      Lieben Dank 🙂 Ja, Amsterdam ist immer eine Reise wert und mit dem Fahrrad kann man die Stadt super erkunden. Ich traue mich zwar nicht aufs Fahrrad, da zu ungeschickt dafür, aber ich empfehle es jedem, der in Amsterdam ist.

  2. […] entschieden, dass wir einfach mal eine kurze Stadtbesichtigung machen. Nach einigen Diskussionen ob ... faszinationeuropa.de/2015/10/25/rotterdam
  3. […] Date das ich einmal hatte. Ich bin mal spontan mit einen Typen in die wunderschöne Stadt Amsterdam ... faszinationeuropa.de/2016/09/08/ein-date-in-amsterdam

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