Besuch im Dracula-Schloss

Der richtige Name des Schlosses ist „Schloss Bran“ und es ist umgeben von einer traumhafen Berglandschaft 🙂 Bekannt wurde das Schloss, das eher eine mittelalterliche Burg ist, durch den Weltbestseller von Bram Stoker: „Dracula“.

Das Schloss liegt geographisch gesehen, mitten in Rumänien und zwar in einer Region, die als Transilvanien bekannt ist. Genau genommen liegt das Schloss in einer Region genannt Siebenbürgen, ein Ort, an dem einst viele sogenannter Siebenbürger Sachsen gewohnt und gelebt haben. Die Siebenbürger Sachsen wurden im 12. Jahrhundert nach Rumänien umgesiedelt und bilden bis heute eine deutsche Minderheit. In Siebenbürgen leben heute nur noch sehr wenige von ihnen. Aber das nur am Rande…

Dracula-Schloss oder Schloss Bran

Schloss Bran wurde 1388 erbaut. Es diente als Festung zur Verteidigung gegen das Osmanische Reich aber auch als Zollamt – ja, Zoll gab es damals schon 😉

Lange Zeit war Schloss Bran eine reine Festung, die von Soldaten bewohnt und bewacht war. Der Oberbefehlshaber wurde vom König ernannt. Erst später wurde Schloss Bran auch tatsächlich Adels- und Herrschaftssitz.

1920 wird das Schloss der damaligen Königin Maria geschenkt. Sie nutzt es bevorzugt als Sommerresidenz und vermacht es nach ihrem Tod ihrer Tochter, Prinzessin Ileana.

Die Prinzessin wurde durch die Kommunisten enteignet, musste das Schloss dem Staat übertragen und aus dem Land fliehen. Das kommunistische Regime machte daraus ein Museum. Jahre nach der Revolution und zwar 2009 wird Schloss Bran seinen Besitzern zurückgegeben, den Nachfahren der königlichen Familie, Dominic, Maria und Elisabeth Habsburg. Sie führen das Schloss heute noch als Museum.

Bran – Erster Eindruck

Mein Eindruck von Bran war anders, als ich erwartet hatte. Ich hatte mir tatsächlich eine sehr imposante Burg vorgestellt, so ähnlich der Wartburg. Bran ist definitiv nicht so prächtig. Das Besondere an Bran entsteht zum einen durch das hohe Alter der Festung und zum anderen durch die vielen kleinen und verwinkelten Räume und schmalen Gänge, die dem ganzen Schloss eine besondere, ja fast intime Atmosphäre verleihen. Nichts an Bran ist künstlich oder aufgesetzt. Schloss Bran hat eine schlichte Schönheit, die einfach verzaubert.

Man sieht es Bran heute noch an, dass die Burg zur Verteidigung gebaut wurde. Die dicken Außenmauern werden im Inneren von Wehrgängen umrundet und die kleinen Türme und Zinnen sind offensichtlich erbaut worden, um Feinde auszuspähen. Ganz prominent in der Mitte des Innenhofes befindet sich der tiefe Brunnen, der für die Bewohner und Verteidiger der Burg überlebenswichtig war.

Brans innere Schönheit

Obwohl zeitweise Sommerresidenz der rumänischen Königin, wirkt Bran so gar nicht wie ein Herrschaftssitz. Kein Prunk, kein Protz, keine repräsentativen Räumlichkeiten weit und breit. Die ursprüngliche Form der Festung ist tatsächlich bis heute fast unverändert erhalten geblieben.

Die Möbel im Inneren stammen heutzutage größtenteils aus dem Besitz der Familie Habsburg. Zum Teil wirken die Räumlichkeiten als ob sie immer noch bewohnt sind und die Bewohner nur mal kurz Einkaufen gefahren sind. Dass dem nicht so ist, wird einem erst beim zweiten Blick bewusst, da sämtliche Möbel doch recht antik wirken. Unter anderem können die Krone und das Zepter des Königs Ferdinand bewundert werden – zumindest steht diese Information in jedem Reiseführer. Ich selbst bin irgendwie daran vorbeigelaufen, ohne sie wirklich zur Kenntnis zu nehmen…

Da ich ohne eine organisierte Führung durch die verwinkelte Burg gelaufen bin, habe ich den Raum wahrscheinlich einfach verpasst. Allerdings ist der Rundgang gut gekennzeichnet und man kann sich absolut nicht verlaufen. Daher wundere ich mich über meine Kurzsichtigkeit 🙂 Vielleicht einfach ein Zeichen, dass ich nochmal hinmuss?

Was darf in einer Burg nicht fehlen? Zum einen natürlich die Ritterrüstungen, die sich zum anderen in eine gut bestückte Waffenkammer befinden. An den Wänden der Waffenkammer sind aber nicht nur Waffen ausgestellt, sondern auch eine Reihe von Wappen (Bild rechts). Einige davon kann ich sofort einordnen. Zum Beispiel gehört das Wappen ganz links oben zur Stadt Kronstadt, die größte Stadt in der Nähe von Bran. Das Wappen direkt darunter (mit dem Adler und den sieben kleinen roten Burgen) ist das ehemalige Wappen der Region Siebenbürgen. An allen Wappen hängen erklärende Schilder.

Übrigens – soweit ich verstanden habe – weiß man bis heute nicht so genau, warum „Siebenbürgen“ eigentlich „Siebenbürgen“ heißt. Es wurden nie wirklich sieben Burgen in der Region gefunden. Da das Wappen sieben Burgen zeigt, gehen Archäologen davon aus, dass es doch irgendwann sieben Burgen gewesen sein müssen. Nur wo, das weiß man bis heute noch nicht so genau 🙂

Dracula und seine Vampire auf Schloss Bran

Wenn von Schloss Bran die Rede ist, muss natürlich ein Name nicht fehlen: Bram Stoker. Der Autor, der durch sein Buch diese Burg so berühmt gemacht hat, war nie in Rumänien und schon gar nicht auf Schloss Bran. Um das Schloss des berühmten Graf Dracula gut beschreiben zu können, hat sich Stoker wohl von Zeichnungen und Beschreibungen von Schloss Bran inspirieren lassen. Forscher haben sogar einige sehr genaue Inspirationsquellen identifizieren können, die Stoker für seinen Roman zur Rate gezogen hat.

Ganz oben im höchsten Turm der Burg werden die Geschichte der Vampire, so wie sie als Mythos in Europa entstanden sind und die Geschichte von Vlad Ţepeş, die mutmaßliche historische Figur, die Stoker inspiriert hat, ausführlich beschrieben (auch in Englisch).

In Kürze: Vlad Ţepeş war ein rumänischer Herrscher, der in den historischen Quellen als sehr blutrünstig und grausam beschrieben wird. Er hat gegen die Stadt Kronstadt mehrfach Krieg geführt, also ist anzunehmen, dass er zumindest mal durch Bran geritten ist. Seine Bezeichnung als „Dracul“ also „Der Teufel“ hat vermutlich Bram Stoker zum Namen „Dracula“ für seine Figur inspiriert, obwohl Stoker selbst immer betont hat, dass zwischen Vlad Ţepeş und Dracula keinerlei Verbindung besteht. Kann man glauben oder auch nicht 😉

Die Vampire selbst sind natürlich reine Fiktion. Dennoch ist der Präsentationsort und die Platzierung der interessanten literarischen Verwicklungen der historischen Gegebenheiten ist sehr gut gemacht und die Lage klug gewählt.

Turmblick vom Dracula-Schloss

Wenn man schon oben im Turm ist, muss man einen Blick nach draußen werfen. Durch die erhöhte Lage der Burg insgesamt sieht man an klaren Tagen bis ganz weit ins Tal. Das Dorf am Fuße der Burg heißt natürlich Bran.

Hinter dem Dorf können in der Regel die Berge bewundert werden, an dem Tag war es aber leider diesig und die Sicht eingeschränkt.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass der Besuch auf Schloss Bran sehr zu empfehlen ist, wenn man in Rumänien ist. Von Bukarest aus sind es etwa zwei Autostunden bis Bran, aber es würde sich lohnen, vielleicht zwei oder drei Tage in der Gegend zu bleiben. Die Berge und die Umgebung sind wunderschön 🙂

Schloss Bran kann jeden Tag besichtigt werden. An Montagen und an Feiertagen sind die Besuchszeiten etwas kürzer.

Link zur Homepage (auch in Englisch): Schloss Bran

Buchempfehlung: Literatur zum Reisen – Oh Wunder! Es ist tatsächlich Bram Stokers „Dracula“ 🙂

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25 thoughts on “Besuch im Dracula-Schloss

  1. atroksia

    Ich bin so neidisch auf Dich. 😉 Ich liebe den Mythos um Vlad und Siebenbürgen verfolge ich schon seit meiner Jugend. Hoch interessant. Toll wie du es beschrieben hast und die Bilder, klasse. Danke dafür, hast mich sehr glücklich gemacht. LG, Mia

    1. atroksia

      Ich hab mal gelesen, dass die Kriminalitätsrate gerade in Transilvanien besonders hoch sein soll. Stimmt das, oder bekommt man davon überhaupt nichts mit? Bzw. ist es wie überall? Das würde mich echt interessieren.

      1. atroksia

        Ach das is ja cool mit deiner Familie. 🙂 das freut mich zu lesen. Ich denke auch manche Berichte sind extrem übertrieben.

      2. Maria

        Hm… ich kenne keine genaue Statistik, daher ist meine Einschätzung rein subjektiv, aber ich hatte nie das Gefühl einer besonderen Bedrohungssituation als ich da war. Dabei bin ich oft in Transilvanien, bzw. Siebenbürgen, da ein Teil meiner Familie dort ihre Wurzeln hat 🙂

    2. Maria

      Liebe Mia, danke für die lobenden Worte 🙂 Dass ich dir mit dem Beitrag eine Freude machen konnte, freut mich jetzt ganz besonders. Ein kleiner Tipp von mir: Rumänien ist kein besonders teures Reiseland und die Leute da sind sehr gastfreundlich…

  2. Philipp

    Hallo Maria,
    sehr interessanter, ausführlicher Bericht.
    Ich glaube aber, ich besuche Schloss Bran lieber nicht.
    Wer weiß, vielleicht war ja doch nicht alles erfunden… 😉
    Grüße,
    Philipp

    1. Maria

      Danke für die positive Rückmeldung. Man weiß es tatsächlich nie. In einigen rumänischen Häuser hängen Knoblauchbündel in der Küche – angeblich zum Kochen, aber weiß man’s? 😉

  3. Anna

    Oh, das Drachula Schloss! Da will ich auch unbedingt noch mal hin, ich finde Burgen und Schlösser ja sowieso so toll. Ein wirklich schöner Bericht!

    Herzlich,
    Anna

    1. Maria

      Danke 😉 Das freut das Autorenherz und mich als gebürtige Rumänin sowieso. Der Besuch auf Schloss Bran – aka Dracula-Schloss – kann ich dir nur ans Herz legen. Die Region drumherum ist auch wunderschön und noch sehr sehr urig 😉

  4. helga

    toll, ich liebe Schlösser. Und den Film „Bram Stokers Dracula“ ist mein Lieblingsstreifen. Auf jeder Reise schau ich mich erstmal nach nahen Schlössern um, die ich besuchen kann.
    Im Sommer plane ich eine Deutschland Tour (Eltz, Hohenzollern…)

  5. Maria

    Danke, Helga 🙂 Ich liebe Burgen und Schlösser auch und stelle mir gerne vor, wie das Leben damals ausgesehen haben mag. Vermutlich gar nicht mal so glamourös, wie wir uns das heute vorstellen.
    Cool! Die Rundreise will ich auch machen! Mit Burg Eltz will ich beginnen, da sie ja bei mir quasi um die Ecke ist…
    Lieben Gruß
    Maria

  6. Carolin (Sprachchamäleon)

    Ziemlich coole Architektur!
    Ich bin zwar jetzt nicht sooo der riesige Fan von Schlossbesichtigungen etc. – war allerdings gerade in Lissabon und hab einen Abstecher zum Pena Palast in Sintra gemacht. Artikel und Fotos gibt’s bald auf meinem Blog, ich wette, das ist was für dich. Habe auf jeden Fall selten so ein cooles Gebäude gesehen, Alice im Wunderland lässt grüßen!

    1. Maria

      Da bin ich aber wirklich mal gespannt! Lissabon steht zwar auf meiner Liste, aber eher weiter hinten auf meiner Liste – wenn das Schloss aber so schön ist, könnte es sogar schnell nach oben rutschen. Ich warte (unged…)geduldig 😉
      Liebe Grüße
      Maria

  7. Thomas

    Sehr interessant! Da muss ich auch unbedingt mal hin…
    Liebe Grüße
    Thomas

    1. Maria

      Hallo Thomas,
      danke 🙂 Den Besuch kann ich nur empfehlen, da man sich Bram Stokers Erzählung sehr gut in den Mauern des Schlosses vorstellen kann.
      Viele Grüße
      Maria

  8. […] In Transsilvanien befindet sich auch Schloss Bran, das durch Bram Stokers Roman „Dracula“ zu Wel... faszinationeuropa.de/2016/06/02/rumaeniens-natuerliche-schoenheiten
  9. Mark

    Sehr cooler Bericht und vor allem sehr spannend geschrieben 🙂
    Kann mir vorstellen das man sich bei dem Besuch sehr unheimlich fühlt…
    Cheers
    Mark

    1. Maria

      Lieben Dank Mark, das freut mich aber wirklich sehr 🙂
      Ja, die Besitzer haben sich sehr viel Mühe gegeben, das Schloss schön zu inszenieren. Leider haben sie das Schloss jetzt an den rumänischen Staat verkauft und es ist im Moment noch ungewiss, was damit geschieht. Vermutlich (hoffentlich!!!) bleibt es weiterhin Museum – Stand Sommer 2016.
      Beste Grüße
      Maria

  10. ArasOrhon

    hallo,

    sehr informativ, wer weiss, vielleicht – getriggert durch solche Berichte – nehmen wir auch bald mal Rumänien ins Visier. Frage: wie sieht es mit Übernachtungsgelegenheiten in der Umgebung überhaupt aus, was erwartet den Reisenden an Standard/Kosten?

    Gruss von der http://www.wegsite.net

    Aras

    1. Maria

      Hallo Aras,
      puh! Da fragst du mich was… Da ich Verwandte in Siebenbürgen habe, stellte sich mir die Frage nie. Ich recherchiere die Unterkunftsmöglichkeiten mal und füge sie dem Beitrag hinzu. Danke für die Idee 🙂
      Beste Grüße
      Maria

  11. Paleica

    sehr cool. es würde mich schon reizen, mir das mal anzusehen. wer weiß, vielleicht ergibt sich die gelegenheit ja mal 🙂

    1. Maria

      Da drücke ich mal die Daumen 😉 Das Schloss zu besuchen lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall.

  12. Peter Posse

    Danke für den schönen Bericht über das Dracula-Schloss Bran. Weiter als bis Timisoara haben wir es noch nicht geschafft in das ursprüngliche Land Rumänien. Das steht aber auf jeden Fall demnächst mal auf dem Programm.

    1. Maria

      Hallo Peter,
      Timisoara habe ich noch nie gesehen, dabei soll es eine großartige Stadt sein – besonders da in Timisoara die rumänische Revolution begann und die Stadt damit einen historisch wertvollen Beitrag zur Entwicklung des Landes geleistet hat. Bran ist aber auch sehr schön und geschichtlich ebenfalls von Bedeutung, daher kann ich den Besuch guten Gewissens auch empfehlen.
      Viele Grüße
      Maria

  13. […] von faszinationeuropa.de hat ebenfalls einen Beitrag beigesteuert und über den Besuch in Draculas ... https://jessicajasminreist.wordpress.com/2017/02/18/blogparade-die-schoensten-ziele-in-europa

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