Ein europäisches Vorbild – Schloss Versailles

Es ist das Schloss der Schlösser! Versailles diente seit seiner Errichtung als das Vorbild schlechthin beim Bau sämtlicher europäischer Schlösser. Versailles gilt bis heute als der Inbegriff prunkvoller Darstellung höfischen Lebens und Sinnbild der absolutistischen Monarchie, die in Frankreich nicht erst seit dem Sonnenkönig, Ludwig dem XIV., üblich war. Alle europäischen Monarchen wollten so sein, wie der Sonnenkönig und sich das leisten, was er sich leisten konnte – nämlich faktisch alles 🙂 Er war ja nicht nur der König, er war der Staat selbst – wir erinnern uns an das berühmte „l’etat ce moi“, oder zu Deutsch „der Staat bin ich“. Was zu dem Zeitpunkt natürlich auch stimmte…

1. Schloss Versailles

Heute kann man sich kaum vorstellen, dass die prächtige Schlossanlage nicht bereits als solche gebaut wurde. Ursprünglich war Versailles ein kleines Jagdschloss, das für König Ludwig dem XIII., gebaut wurde. Erst sein Sohn und Nachfolger, Ludwig der XIV., hat Versailles durch mehrere ausgedehnte Umbauten zu dem gemacht, was es heute ist – ein Prachtschloss, das sich über einen halben Kilometer weit erstreckt.

Von der Bahn kommend ist Schloss Versailles nur wenige Meter entfernt und kaum zu verfehlen, da an jeder Straßenecke Anweiser stehen, die eindeutig und in mehreren Sprachen den Weg zum Schloss zeigen 😉 Ich bin zwar der Meinung, dass man das Schloss aus ohne Anweiser finden würde, aber dennoch ein netter Service.

Der erste Kontakt ist bereits überwältigend. Schon von Weitem sieht man wie weitläufig Versailles ist, ohne dabei den riesigen Garten und die Anbauten – wie die beiden Trianon-Schlösser – einzubeziehen. Vor dem Eingang zum Schloss steht ein sehr großes Reiterstandbild des Königs, der hauptsächlich für den Bau von Versailles verantwortlich zeichnet und zwar Ludwig der XIV.

Alles, was nicht aus Stein ist, ist aus Gold. Zumindest ist das der Eindruck, der direkt vor den Toren von Versailles entsteht. Das Schloss glitzert und glänzt mit der Sonne um die Wette – oder es hätte mit der Sonne um die Wette geglänzt, wenn an meinem Besuchertag die Sonne mal hinter den Wolken hervorgekommen wäre. Der atemberaubenden Schönheit der Schlossanlage tat das keinen Abbruch 🙂 Ich war direkt verzaubert.

Der Leitspruch heißt (frei übersetzt) „alles für den Ruhm Frankreichs“. Man muss es den Franzosen einfach lassen – sie waren schon immer sehr patriotisch. Und warum auch nicht? Zu dem Zeitpunkt war Frankreich irgendwie der Nabel der bekannten Welt…

Versailles Innenhof

Der Innenhof von Versailles – der sogenannte Marmorhof – mit dem Haupteingang wird immer noch vom alten Jagdschloss Ludwig des XIII. umschlossen. Sein Sohn wollte das kleine Schloss unbedingt erhalten und hat den Ausbau von Versailles um dieses Kleinod herum angeordnet, entgegen aller Ratschläge seiner Finanzminister und entgegen der Tatsache, dass das Drumherumbauen um einiges teurer war, als ein Abriss mit Neubau. Wenn wir heute nach Versailles reisen, sehen wir als erstes das kleine Jagdschloss von Ludwig dem XIII. Ich bin froh, dass sein Nachfolger den Erhalt angeordnet hat. Ich fand die kleine Schlossanlage wunderschön.

2. Versailles – Das Innenleben

Der berühmte Spiegelsaal, der für alle Schlösser, die nach Versailles gebaut wurden, ein Vorbild war, ist tatsächlich sehr beeindruckend – auch wenn die vielen Spiegel, die dem Saal ihren Namen gegeben haben, mittlerweile schon recht stumpf und veraltet sind. Zur Zeit der Könige war der Spiegelsaal eine Art Flaniermeile. Oft ging es einfach nur darum, andere zu sehen und gesehen zu werden – man könnte fast sagen, es war das damalige Facebook 😉

Direkt hinter dem langen Spiegelsaal befinden sich noch heute die Schlafzimmer des Königs und der Königin, die in ihrer ganzen Pracht restauriert worden sind. Heute frage ich mich allerdings, wie oft der König – egal welcher Ludwig – tatsächlich in diesem Schlafzimmer übernachtet hat :). Wenn sie nicht bei ihren Mätressen waren, schliefen die Könige in anderen, beheizbaren Räume des Schlosses. Das offizielle Schlafzimmer wurde meist nur für die Zeremonien des Aufwachens und des Schlafengehens (coucher und lever), die damals sehr in Mode waren, genutzt. Manchmal auch zum Spazieren und Bewundern… aber selten zum Schlafen. In der Münchener Residenz gibt es auch solche Schlafzimmer, die reine Vorzeigeräume waren.

Das Schlafzimmer der Königin ist im glänzenden Gold und Zartrosa gehalten. Letzte Bewohnerin war Marie-Antoinette (Bild rechts), die durch die Tür zwischen Bett und Kommode (Bild links – die weiße Tür) fliehen musste. Weit ist sie ja nicht gekommen, wie wir wissen…

3. Parkanlagen und Gärten

Da ich im Spätherbst in Versailles war, standen die Gartenanlagen leider nicht in voller Blüte. Die weitläufige Parkanlage muss im Frühjahr oder Sommer wunderschön sein, da sie mich schon im Herbst sehr beeindruckt hat 🙂

Soweit ich verstanden habe, lohnt es sich im Sommer auf jeden Fall die Wasserspiele zu sehen, auch wenn der Eintritt da etwas mehr kostet. Es gibt gefühlte Tausend Brunnen und die Show, wenn sie alle mit ihren Wasserspielen in Betrieb sind, soll atemberaubend sein.

Versailles vom Garten

Auf jeden Fall hat man von den Terrassen her einen grandiosen Blick auf das Hauptschloss 🙂 Wobei es sehr schwer ist, das Schloss auf einem Bild zu bannen, da man entweder zu nah dran ist oder runtergeht – die Terrassen sind wie Treppen angeordnet und wenn man unten ist, sieht man das Hauptschloss gar nicht mehr.

4. Die Trianon-Schlösser

Ein wenig abseits vom Hauptschloss stehen zwei kleinere Schlösser – wenn man vom Hauptschloss die Terrassen runtergeht und ganz unten angekommen nach rechts abbiegt, kommt man irgendwann zu den Trianon-Schlösser. Vorsicht, der Weg ist länger, als man denkt. Es gibt aber auch einen kleinen Elektrozug, der regelmäßig fährt und die Touristen von Schloss zu Schloss bringt.

Erschöpft vom ganzen Hofzeremoniell hat sich Ludwig der XIV. das kleine Lustschloss Trianon bauen lassen, wo er sich mit seiner Lieblingsmätresse, Madame de Maintenon, in intimer Atmosphäre treffen konnte. Besuche auf Schloss Trianon waren nur auf ausdrückliche Einladung des Königs erlaubt. Das Schloss selbst verfügte über alle Annehmlichkeiten: Empfangsräume, königliches Schlafzimmer, ein Ballsaal und eine Kapelle. Madame de Maintenon sollte in Trianon Hof halten können, wie auf Versailles – wenn auch in kleinerem Rahmen 😉

Ich fand es hoch interessant, dass das Schlafzimmer der Mätresse fast neben der Kapelle stand. Der König konnte also seine Sünden beichten, direkt nachdem er sie begangen hatte, sozusagen hehe

Das Petit Trianon ist das süßeste Stück Schlösslein, das ich je gesehen habe 🙂 Es wurde von Ludwig dem XV. für seine Mätresse, Madame de Pompadour, gebaut, aber richtig bekannt wurde es durch Marie-Antoinette. Ihr Ehemann, Ludwig der XVI., hat ihr Petit Trianon als Spielwiese geschenkt und die Königin hat sich gerne auf das kleine Schloss zurückgezogen und dort die Freiheiten genossen, die ihr auf Versailles sonst verboten waren. Marie-Antoinette hat das Innere des Schlosses nach ihrem Geschmack einrichten lassen. Mir hat das, was sie hinterlassen hat, sehr gefallen. Es ist intim und persönlich und hat absolut nichts mit dem unpersönlichen Prunk auf dem Hauptschloss zu tun.

Wenn ihr in Versailles seid, empfehle ich auf jeden Fall einen Besuch der beiden Trianon-Schlösser. Ich fand den zusätzlichen Preis (ja, sie kosten halt beide nochmal Eintritt…) doch wert.

Fazit

Ich habe Versailles geliebt und werde auf jeden Fall nochmal hingehen und mir vielleicht zwei Tage für einen Besuch Zeit nehmen. Es gibt so vieles zu sehen 😉 Den einen Tag, den ich mir letztes Mal während eines Kurztrips nach Paris eingeräumt habe, war einfach zu kurz, um alles genießen zu können.

Letztendlich kann ich jedem, der Schlösser und Burgen mag, einen Besuch auf Versailles nur empfehlen.

Obwohl ich mich in meinem Beitrag letztendlich nur auf die „königliche“ Vergangenheit der Versailles-Schlösser bezogen habe, darf man die Rolle, die die Schlösser in der Neuzeit gespielt haben, natürlich nicht vergessen. Die Verträge, die im frühen 20. Jahrhundert hier unterzeichnet wurden, haben die europäische Geschichte nachhaltig geprägt.

Ein Besuch auf Versailles lohnt sich also auf jeden Fall. Es ist ein europäisches Vorbild und voller Geschichte.

Öffnungszeiten:

  • Zwischen dem 1. November und dem 31. März ist das Hauptschloss jeden Tag – außer Montag – von 9:00 bis 15:30 geöffnet. Der Ticketschalter schließt um 14:30. Die kleineren Schlösser Trianon und das Anwesen von Marie-Antoinette sind ebenfalls täglich – außer Montag – von 12:00 bis 17:30 geöffnet. Die Parkanlage ist jeden Tag zwischen 8:00 und 18:00 Uhr geöffnet.
  • In der Hauptsaison vom 1. April bis 31. Oktober ist das Hauptschloss jeden Tag – außer Montag – von 9:00 bis 16:30 geöffnet. Der Ticketschalter schließt um 15:30. Die kleineren Schlösser Trianon und das Anwesen von Marie-Antoinette sind ebenfalls täglich – außer Montag – von 12:00 bis 18:30 geöffnet. Die Parkanlage ist jeden Tag zwischen 8:00 und 20:30 Uhr geöffnet.

Preise (in den Preisen ist ein Audioguide inbegriffen):

  • Tagesticket mit Einlass in allen Sehenswürdigkeiten (inklusive Parkanlage und Wasserspiele im Sommer): 18 Euro.
  • Hauptschloss Versailles: 15 Euro/ Person. Ermäßigt 13 Euro.
  • Trianon Schlösser und Anwesen von Marie-Antoinette: 10 Euro/ Person. Ermäßigt 6 Euro.

Versailles wird in der Regel mit einem Audioguide besucht. Es gibt auch geführte Touren aber ob sich die lohnen?

Empfehlung: Bitte Tickets immer vorher online kaufen, sonst steht ihr vor ewig langen Schlangen 😉 Es gibt keine Zeitfenster für den Besuch, also könnt ihr euch entspannt auf den Weg machen.

Link zur Homepage (auch in Englisch): Schloss Versailles

Buchempfehlung: Literatur zum Reisen

Während ich den Artikel geschrieben habe, hat mich folgende Musik inspiriert: Romantik Jazz in Paris

Schönes über Versailles in der Bloggerwelt: Es gibt ein Beitrag, den ich euch ans Herz legen möchte.

Helga von Travelstory.ch hat das Schloss aller Schlösser im September besucht und hat einige wunderschöne Einblicke sowohl im Schloss selbst als auch vom blühenden Gärten einfangen können. Ihre Begegnung mit dem Besuchermanagement von Versailles ist auf jeden Fall lesenswert 😉 Artikel ist zu finden unter: Gold und Prunk in Versailles


13 thoughts on “Ein europäisches Vorbild – Schloss Versailles

  1. […] All das zusammen führte dazu, dass ein Besuch in Paris fast schon zur Pflicht wurde. An einem trüb... faszinationeuropa.de/2016/03/03/die-stadt-der-liebe-ein-wochenende-paris
  2. Helga Antworten

    Hallo Maria, ein sehr informativer Beitrag! Die Trianon-Schlösser kannte ich überhaupt nicht! Schade, dass ich diese verpasst habe. Aber ein Grund mehr, wieder mal nach Versailles zu fahren.
    Danke für dein Pingpack auf meinen Beitrag.
    Liebe Grüsse

    1. Maria Antworten

      Hallo Helga,
      ja, die Trianon-Schlösser sind auf dem weitläufigen Gelände schon etwas versteckt 🙂 Das Gorße Trianon ist keine Überraschung, sondern eher ein Versailles in Miniatur, aber das Kleine Trianon ist ein kleines Schmuckstück. Ein Besuch lohnt sich meiner Meinung nach.
      Danke für den Artikel, ich finde ihn toll und habe gerne verlinkt.
      Liebe Grüße
      Maria

  3. Alnis fescher Blog Antworten

    Ich liebe Versailles, vor allem die Gärten sind einfach traumhaft.
    LG Alnis

    1. Maria Antworten

      Hallo Alnis,
      da bin ich ganz bei dir. Versailles ist wirklich traumhaft und ich verstehe auch, warum so viele spätere Könige das Schloss und die Gärten als Vorbild genommen haben 😉
      Liebe Grüße
      Maria

  4. Julia Antworten

    Da hast Du ja schon einiges an Schlössern und Burgen gesehen 🙂
    Sind das jetzt alle? Oder hast Du noch mehr gesehen?
    Ich kann Dir noch folgende Empfehlen: Schloss Bad Arolsen (das ist wirklich schön und die Führung ist auch sehr interessant), Schloss Benrath (dort war ich ja, als wir in Düsseldorf waren. Allerdings haben wir das nicht von innen oder dergleichen besichtigt) und das Schloss Waldeck. Dieses kann man aber nicht von innen besichtigen, da es jetzt als Hotel und Restaurant genutzt wird. Aber man hat dort eine wunderschöne Aussicht. In meinem Post über die Fahrradtour am Edersee berichte ich darüber 🙂
    Und in Paderborn gibt es noch das Schloss Neuhaus. Auch sehr schön, mit einem schönen Garten. Das wird heute als Realschule genutzt. 😉
    Aber im Innenhof gibt es ein kleines Museum. 🙂
    Ich hoffe, Du berichtest noch von mehreren Schlössern und Burgen, denn ich finde die auch immer so schön. 🙂 (Mädchen halt 😉 )

    LG Julia

    1. Maria Antworten

      Liebe Julia,
      ich habe noch ganz viele Schlösser und Burgen besucht – unter anderem auch die Märchenschlösser in Bayern oder Schloss Windsor. Nach und nach nehme ich alle hier auf. Wenn ich alles auf einmal aufliste, bleibt mir für später ja nichts mehr 😉
      Hab mir die von dir genannten Schlösser schon notiert – lieben Dank für den Hinweis. Ich freue mich immer, über neue Reiseziele mit schönen Burgen oder Schlösser – bin da auch ein Mädchen, das ein Märchenschloss haben will 🙂
      Viele Grüße
      Maria

  5. Sigrid Braun Antworten

    Schloss Versailles steht auf meiner Reiseliste ganz oben. Dein Bericht ist sehr anschaulich geschrieben, man möchte direkt hinfahren.
    Liebe Grüße Sigrid

    1. Maria Antworten

      Vielen Dank liebe Sigrid 🙂 Versailles kann ich wirklich nur empfehlen. Meist sind so hochgelobte Reiseorte am Schluss eine Enttäuschung, aber bei Versailles musste ich erkennen, dass das Schloss zu Recht ein europäisches Vorbild geworden ist. Die Reise ist auf jeden Fall ein Erlebnis.
      Liebe Grüße
      Maria

  6. […] nennt Windsor zwar das „Versailles von England“ aber ich finde, die Gleichsetzung tut Schloss Wi... faszinationeuropa.de/2016/07/14/alt-und-ehrwuerdig-oder-altehrwuerdig-schloss-windsor
  7. Susanne Antworten

    Hallo Maria,
    ich bin im Juni in Paris, da ist der Artikel genau die richtige Reisevorbereitung. Danke!
    Versaille werden wir auf jeden Fall besuchen.
    Lieben Gruß, Susanne

    1. Maria Antworten

      Hallo Susanne,
      dann wünsche euch schon mal viel Spaß in Paris und genießt Versailles in vollen Zügen. Das Schloss und die Anlagen – besonders der Park – sind wirklich beeindruckend. Könnte glatt wieder selbst hinfahren 😉
      Viele Grüße
      Maria

  8. […] Keine Überraschung ist Platz 3: „Ein europäisches Vorbild – Schloss Versailles.“ […]... faszinationeuropa.de/2016/10/27/blogstatistiken-1-jahr-faszinationeuropa

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