Wandern durch die Moore der Röhn

Obwohl ich kein Wanderer bin, haben mich zwei gute Freundinnen überredet, mit ihnen einmal die Moore der Röhn zu besuchen. Skeptisch und ein wenig in Sorge, dass ich kaum in der Lage sein werde, mit ihnen Schritt zu halten, ging ich mit. Es wurde ein magischer Nachmittag.

Diejenigen, die im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen genauso bewandert sind, wie ich – also so gut wie überhaupt nicht – werden sich jetzt zu Recht fragen, was die Röhn ist. Die Röhn ist ein Mittelgebirge, dessen höchster Berg die Wasserkuppe ist, die in Hessen liegt. Warum die Röhn so heißt wie sie heißt, ist bis heute noch nicht ganz geklärt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief die innerdeutsche Grenze in Nord-Süd Richtung durch die Rhön. Der Verlauf entspricht dem heutigen Verlauf der Grenze zwischen Thüringen (ehemalige DDR), Bayern und Hessen (BRD). Heute ist von den vielen Grenzbefestigungen und Wachtürmen und was weiß ich noch alles zum Glück nichts mehr zu sehen.

In der Röhn gibt es viele Wanderwege, die gut ausgeschildert sind. Der nach Meinung von Experten schönste Wanderweg, der 137 Kilometer lange Röhn-Höhen-Weg, erfasst fast die gesamte Gebirgsregion und passiert dabei auch den Kreuzberg, sowie das Rote und das Schwarze Moor.

Für weniger Trainierte oder Besucher, die nur einen kurzen Wanderweg durchschreiten möchten, gibt es natürlich auch kürzere Alternativen 🙂

1. Besuch in der Röhn

Ab Frankfurt braucht man mit dem Auto etwa neunzig Minuten bis zum Kreuzberg. Von da aus noch einmal jeweils etwa eine halbe Stunde von Moor zu Moor. 1-1-die-roehnDie Wanderwege kann man natürlich auch laufen, aber da ich – wie oben schon erwähnt – nicht so der Wanderer bin und meine Kondition mehr als nur zu wünschen übriglässt, sind wir von einem Ziel zum anderen gefahren. Ich glaube auch nicht, dass wir ohne das Auto alle Ziele ein einem Tag geschafft hätten.

Unser Weg durch die Röhn führte uns zuerst zum Kloster Kreuzberg, über den ich euch aber in einem anderen Artikel berichten werde. Nach einem guten Essen in der Klosterküche – absolut lecker und mehr als nur zu empfehlen – waren wir entsprechend gestärkt für den Rundgang durch die Moore. Da ich selbst noch nie ein Moor besucht hatte, war ich mehr als nur gespannt.

2. Das Rote Moor

Unser erstes Ziel war das Rote Moor. Den Namen hat das Moor wahrscheinlich von der rötlichen Färbung des… hm… Moorwassers, würde ich das mal als Laie bezeichnen. Richtige Wasserstellen sind das ja nicht, aber auch kein fester Grund, sondern sumpfig eben 🙂

Das Rote Moor ist ein Hochmoor und liegt in Hessen. Ein Hochmoor ist laut Wikipedia ein „mineralarmer, saurer und nasser Lebensraum, mit einer an diese extremen Bedingungen angepassten Flora und Fauna“. Generell sind die meisten Moore durch Industrie und Landwirtschaft zurückgedrängt und oft zerstört worden. Heute entstehen so gut wie keine Moore mehr und wachsende Moore gibt es leider weltweit nur noch vereinzelt. Ich schreibe „leider“, weil mir die Moorlandschaft sehr sehr gut gefallen hat. Überall herrscht diese ganz besondere Atmosphäre… irgendwie magisch.

Der Weg ist befestigt und man läuft über einen Bohlensteg – vermutlich zur Sicherheit, damit das Moor einen nicht verschlingt und man als Moorleiche nach Generationen von Archäologen wieder ausgebuddelt wird 😉 Ich selbst dachte erst, der Steg wäre doch gar nicht nötig, da das Moor durch den Torfabbau fast trockengelegt wurde. Rund 200 Jahre lang wurde hier Torf abgebaut und das Moor erlitt große Schäden. Heute sind Experten mit umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen dabei, das Rote Moor retten und zu erhalten.

Hier und da gab es dennoch immer wieder klare Sumpfgebiete – ob in Folge der Renaturierungsmaßnahmen oder weil sie einfach den Torfabbau „überlebt“ hatten, ist heute nicht mehr zu sagen. Jedenfalls wäre der Weg ohne den Steg wahrscheinlich gefährlicher, also ist es auf jeden Fall anzuraten, auf den Bretterweg zu bleiben.

Überall am Wegesrand findet man Schilder, die von der Geschichte des Roten Moores, den Torfabbau, die Flora und Fauna, aber auch von den Renaturierungsmaßnahmen erzählen. Der Höhepunkt des Rundganges ist der Aussichtsturm.

Vom Aussichtsturm hat man einen großartigen Überblick über die Moorlandschaft und man muss gar nicht so genau hinschauen, um zu erkennen, wo die Grenze zwischen dem natürlichen Moor und dem renaturierten Moor verläuft. Der Teil des Roten Moores, der nicht durch Torfabbau geschädigt wurde, ist etliche Meter höher, als der Rest. Wirklich beeindruckend!

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Zum Schluss empfehle ich einen kurzen Aufenthalt im NABU-Haus (mit vollem Namen: Naturerlebniszentrum in der Röhn) Genießt auf jeden Fall einen Kuchen, denn die Kuchen allein sind schon fast die Reise wert. Lecker! Bei Kaffee und Kuchen, in der Nähe des Roten Moors kann es sich auch ein Stadtmensch gutgehen lassen.

3. Das Schwarze Moor

Nach einer Kaffee- und Kuchenpause im NABU-Haus ging es direkt weiter ins Schwarze Moor, das mir noch besser gefallen hat, als das Rote Moor.

Das Schwarze Moor liegt im bayrischen Teil der Röhn und ist um einiges größer, als seine Schwester in Hessen. Es klingt jetzt vielleicht sehr weitläufig, aber langsam schlendernd umrundet man das Schwarze Moor in etwa 1,5 Stunden – und dabei sind wir etliche Male stehen geblieben, haben wild fotografiert und die Landschaft bewundert.

Direkt zu Beginn des Bohlenstegs befindet sich ein Moorbecken, in dem Besucher – barfuß versteht sich – den unterschiedlichen Grund testen und dadurch ein direktes Verständnis für die Beschaffenheit von Mooren bekommen können. Ich habe selbst kein Bad im Moorwasser genommen, stell mir das aber recht lustig vor. Ein Wasserhahn steht direkt neben dem Moorbecken, damit man sich die Füße ordentlich waschen kann, bevor man wieder in die Socken und Schuhe (bzw. im Sommer in die Sandalen) schlüpft.

Das gesamte Konzept des Schwarzen Moores ist ein durchgehender Lehrpfad, das besonders für Stadtmenschen und Stadtkinder sehr lehrreich ist. Es beginnt am Moorbecken, schlängelt sich durch einen Birkenwald und führt letztendlich an einen 17 Meter hohen Aussichtsturm vorbei.

Nachdem man den Birkenwald verlässt, durch den sich das Moor schlängelt, ist die Aussicht wirklich herrlich. Ich habe nur bedauert, dass kein Nebel über dem Moor lag – das hätte die Aussicht tatsächlich feenhaft werden lassen 🙂 Andererseits will ich auch nicht über das tolle Wetter schimpfen, es war für die kurze Wanderung über die Moore perfekt!

Wie ich im Moor lernen durfte, findet man hier auch den Sonnentau, eine einzigartige fleischfressende Pflanze. Sie war tatsächlich ein großes Highlight, wenn man von den etlichen Besuchern ausgehen darf, die bei jedem Sonnentau stehen geblieben und wie wild fotografiert haben. Wenn die Pflanze denken könnte, würde sie sich bestimmt wie ein Star fühlen und das jeden Tag aufs Neue. Ich war überrascht, wie klein der Sonnentau ist. Unter „fleischfressende Pflanze“ hätte ich mir viel größere Blumen vorgestellt. Die Blüte des Sonnentaus ist gerade mal fingernagelgroß.

Wie auch das Rote Moor ist das Schwarze Moor ebenfalls vom Torfabbau oder den Versuch des Torfabbaus betroffen. Allerdings bot das Schwarze Moor wohl nicht die gewünschte Qualität, also machten unsere Vorfahren nur ein wenig was kaputt auf der Suche nach brauchbarem Torf und ließen das Schwarze Moor dann in Ruhe. Leider sind dennoch verschiedene Spezies der Flora und Fauna verschwunden, bevor umfangreiche Schutzmaßnahmen in Kraft treten konnten.

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Fazit

Man muss nicht besonders fit sein, um die beiden Moore in ihrer ganzen Schönheit zu bewundern. Ich habe es auch geschafft und bin nun wirklich nicht topfit. Ich bin nicht einmal fit 😉 Für mich hat sich der Besuch der Moore auf jeden Fall gelohnt, es war ein einmaliges Erlebnis und besonders die Landschaft im Schwarzen Moor hat es mir sehr angetan.

Buchempfehlung: Literatur zum Reisen.

Regionale Köstlichkeiten: Europa kulinarisch.


8 thoughts on “Wandern durch die Moore der Röhn

  1. Peggy Antworten

    Hallo Maria,
    das liest sich sehr interessant. Da ich ganz gerne wandere würde mir es bestimmt gut gefallen. Das Ausflugziel Röhn bietet sich bestimmt auch gut für ein verlängertes Wochenende an.
    Viele Grüße
    Peggy

    1. Maria Antworten

      Hallo Peggy,
      wenn du gerne wanderst, kann ich dir empfehlen, mehrere Tage in der Röhn zu verbringen. Die Wanderwege dort sind wunderschön und führen durch eine tolle Landschaft 😉 Die Röhn hat bestimmt noch mehr Highlights zu bieten, als die Moore, aber die beiden Moorlandschaften sind einfach wunderschön.
      Viele Grüße
      Maria

  2. Katharina Antworten

    Hallo Maria,
    super schöne Bilder. Wäre wirklich mal eine Überlegung, in die Röhn zu fahren. Bin beim Thema Wandern immer etwas zwiegespalten: Im Vorfeld ist es immer eine Überwindung – bin ich erst mal da, finde ich es super… 😉
    Liebe Grüße
    Katharina

    1. Maria Antworten

      Hallo Katharina,
      ja, geht mir auch so 😉 Ich bin wirklich nicht so der Wanderer, aber einige Wanderziele reizen mich dann doch, auch wenn ich tage vorher Panik schiebe, dass ich’s nicht schaffe, so weit zu laufen. So eine Wanderung, wie durch die Moore allerdings, ist leicht zu schaffen, da man ja mit dem Auto von Moor zu Moor fahren kann.
      Liebe Grüße
      Maria

  3. Anja S. Antworten

    Hallo Maria,
    dort waren wir auch schon einmal mit den Kindern und ich fand es wirklich richtig schön und interessant.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

    1. Maria Antworten

      Hallo Anja,
      ich kann mir gut vorstellen, dass die Moore für Kinder ein ganz besonderes Erlebnis sind. War es für mich als Erwachsener ja auch und ich war einfach sprachlos, wie schön so eine Moorlandschaft sein kann.
      Liebe Grüße
      Maria

  4. Matthias Reichert Antworten

    Die Rhön ist noch ein Geheimtipp zum Wandern. Auch abseits bekannter Ausflugziele gibt’s Viel zu entdecken.

    1. Maria Antworten

      Hallo Matthias,
      was ich von der Röhn gesehen habe, hat mich schwer begeistert und auch wenn ich jetzt nicht direkt zum Wanderer werde, würde ich eine Wanderung durch die Röhn jederzeit wieder machen. Die Region ist wunderschön!
      Viele Grüße
      Maria

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