Der Weihnachtsmann und Coca Cola

Woran denkt ihr als erstes, wenn Weihnachten vor der Tür steht? An die geliebte Familie und die guten Freunde? An die vielen duftenden Plätzchen? An den geschmückten Weihnachtsbaum?

Der Weihnachtsbaum löst ein idyllisches Bild von schön verpackten Geschenken und glücklichen Kindern aus. Kinder, die sich darüber freuen, dass sie auch dieses Jahr brav waren und der Weihnachtsmann sie an Heiligabend oder am ersten Weihnachtstag mit Geschenken überschüttet. Ihre Streiche sind alle vergessen und die Rute bleibt im Sack.

Die Ursprünge des Weihnachtsmannes

Als Kind musste ich natürlich irgendwann erfahren, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt – die erste Tragödie meines Lebens 🙂 Als erwachsener Mensch habe ich öfters, mal im Scherz, mal ganz ernsthaft, gehört, Coca Cola hätte den Weihnachtsmann erfunden. Tja… da habe ich mir irgendwann aus lauter Neugierde die Frage gestellt: Wer oder was ist der Weihnachtsmann wirklich? Hat ihn wirklich Coca Cola erfunden?

Der Weihnachtsmann geht zurück auf eine reale Person: Bischof Nikolaus von Myra, der im 4. Jahrhundert gelebt und gewirkt hat. Historische Quellen belegen, dass der Bischof in der damaligen römischen Provinz Lykien – heute in der türkischen Region Antalya – zum Priester geweiht wurde.

Mit dem Bischof Nikolaus verbinden sich neben den historisch belegten Tatsachen auch zahlreiche Legenden. Bekannte Tatsache ist, dass er sein Vermögen den Armen gespendet hat. Eine Legende besagt, dass der Bischof armen Familien und insbesondere den Kindern Geschenke brachte. Er gilt als Beschützer der Kinder, als Vorkämpfer gegen Armut und Korruption. Ihm werden zahlreiche magische Kräfte zugesprochen mit denen er bedürftigen Familien in Zeiten bitterer Not zur Seite stand.

Dargestellt wird Bischof Nikolaus in seinem vollen priesterlichen Ornat mit Albe, Stola, Chormantel und Bischofsstab. Oft trägt er auf den Darstellungen drei goldene Äpfel, als Symbol für die Geschenke, die er den Kindern in der Winterzeit brachte. Auf den meisten Bildern wird Nikolaus als älterer Mann mit weißem Bart und dicken roten Bäckchen porträtiert.

Kommt euch das bekannt vor?

Mit der Zeit wurde der Bischof Nikolaus einer der beliebtesten Heiligenfiguren im Christentum. Besonders im Mittelalter, eine Zeit der Armut und der Not für die meisten Europäer, verbreitete sich der Kult um den großzügigen Bischof schnell, und der 6. Dezember wurde als sein Ehrentag gefeiert, ein Brauch der bis heute in vielen Teilen der Welt fortbesteht.

Bischof Nikolaus wird zum Weihnachtsmann

Im Laufe der Jahrhunderte setzten sich der 24. (Heiligabend), der 25. und der 26. Dezember als Weihnachtstage weltweit durch, der Bischof Nikolaus ließ sich dennoch nicht ganz vertreiben. In vielen Teilen der Welt bestand der Brauch, die Kinder im Dezember zu beschenken, weiterhin. Da Weihnachten jedoch ein alles Überstrahlendes Fest wurde, verwandelte sich die Gestalt des Bischofs Nikolaus zunehmend in die Märchengestalt des Weihnachtsmannes. Er verlor Schritt für Schritt seine priesterlichen Symbole (Ornat mit Stola und Chormantel) sowie den Bischofsstab und bekam in den neueren Darstellungen einen Mantel und eine rote Zipfelmütze (oft mit einem schwarzen Bommel). Bischof Nikolaus wurde pummeliger, pausbäckiger, bekam einen Sack und in einigen Regionen Wichtel zur Seite gestellt.

Während der Reformation hat Luther versucht, die Aufmerksamkeit von den Heiligenfiguren hin zur Geburt Christi zu lenken und schaffte den Brauch des Schenkens durch den Bischof ab. Luther war bestrebt, die Kinder an die Geburt Jesu zu erinnern und erfand höchstwahrscheinlich die Figur des „Christkindes“, das heimlich und unerkannt die Kinder am 25. Dezember beschenkte.

Heute existieren die Figuren des Heiligen Nikolaus, des Weihnachtsmannes und des Christkindes parallel zueinander. Der Heilige Nikolaus beschenkt nach wie vor die Kinder am 6. Dezember, indem er heimlich Süßigkeiten in deren Stiefeln versteckt. An Weihnachten kommen je nach Region entweder der Weihnachtsmann oder das Christkind und bringen den Kindern Geschenke.

Das Bild des Weihnachtsmannes

Die Verbreitung der Märchengestalt des Weihnachtsmannes begann bereits im frühen 19. Jahrhundert. Eine der ersten bekannten Quellen ist das Gedicht des deutschen Schriftstellers August Heinrich Hoffmann von Fallersleben „Der Weihnachtsmann“:

„Morgen kommt der Weihnachtsmann, Kommt mit seinen Gaben.

Trommel, Pfeife und Gewehr, Fah‘n und Säbel und noch mehr, Ja ein ganzes Kriegesheer, Möcht’ ich gerne haben.

Bring’ uns, lieber Weihnachtsmann, Bring’ auch morgen, bringe Musketier und Grenadier, Zottelbär und Panthertier, Roß und Esel, Schaf und Stier, Lauter schöne Dinge.

Doch du weißt ja unsern Wunsch, Kennest unsere Herzen.

Kinder, Vater und Mama, Auch sogar der Großpapa, Alle, alle sind wir da, Warten dein mit Schmerzen.“

Quelle: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben „Der Weihnachtsmann“. 

Eine der ältesten Darstellungen des Weihnachtsmannes stammt vom Dichter William Gilley, der 1821 in New York lebte. Beschrieben wird der Weihnachtsmann als ein älterer Herr, der mit einem von Rentieren gezogenen Schlitten und einem Fellmantel von Haus zu Haus zieht und Geschenke überbringt.

1863 griff der amerikanische Karikaturist Thomas Nast das Gedicht auf und zeichnete für das Weihnachtsfest zum ersten Mal eine Figur des Weihnachtsmannes, die uns heute noch bekannt vorkommen würde. Seine Märchengestalt hatte die Aufgabe, aus einem Schlitten heraus die Soldaten der Unions-Truppen zu beschenken. Als er später gebeten wurde, seinen Weihnachtsmann zu kolorieren, wählte er die heute bekannten weiß-rot Farben.

Dennoch blieben die Farben des Weihnachtsmannes bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts unterschiedlich. Mal wurde er mit einem blauen, mal einem grünen Mantel dargestellt.

Was hat Coca-Cola damit zu tun?

Für die Werbekampagne 1931 erteilte der Coca-Cola Konzern dem Zeichner Haddon Sundblom den Auftrag, einen zum Hersteller passenden Weihnachtsmann zu entwerfen.

Sundblom bediente sich der zahlreichen Vorlagen aus der Vergangenheit und entwarf den Weihnachtsmann, wie wir ihn heute noch kennen.  Sundbloms Angaben zufolge zeichnete er das Gesicht des Weihnachtsmannes in den ersten Werbekampagnen nach dem Portrait seines Freundes Lou Prentniss. In späteren Jahren porträtierte er sich sogar selbst als Weihnachtsmann, immer freundlich lächelnd und mit Geschenken beladen.

Die Werbetour des Getränkeherstellers war ein voller Erfolg und prägt bis heute unser Bild der Märchengestalt des Weihnachtsmannes. Somit hat Coca-Cola den Weihnachtsmann keineswegs erfunden, die äußerst erfolgreichen Werbetouren haben dennoch eindeutig zur Verbreitung und Festigung des Bildes beigetragen, das wir vom Weihnachtsmann haben.

Und heute?

In aller Welt ist die Märchenfigur des Weihnachtsmannes heute bekannt als großzügiger Geschenkebringer. Ob als Weihnachtsmann, Santa Claus, Sintaklaas, Père Noël, Väterchen Frost, Father Christmas – wir wissen alle, wie er aussieht und was er tut. Und jedes Jahr aufs Neue freuen sich Kinder wie Erwachsene über den heimlichen Besuch des fröhlichen älteren Herren mit weißem Bart, rotem Mantel und einem von Rentieren gezogenen Schlitten.

In diesem Sinne, meine Lieben, fröhliche und besinnliche Weihnachten!

Dieser Beitrag ist Türchen Nr. 22 vom Blogventskalender 2016. Viel Spaß auch mit den vielen wunderschönen weiteren Türchen 😉 : blogventskalenderș






4 thoughts on “Der Weihnachtsmann und Coca Cola

  1. Annika Antworten

    Liebe Maria,
    Das hast du sehr ausführlich recherchiert znd ich gerade ein schönes Adventskalender Türchen!
    LG Annika

    1. Maria Antworten

      Liebe Annika,
      vielen Dank! Ich wollte schon immer wissen, ob der Mythos, Coca Cola hätte den Weihnachtsmann erfunden, wirklich stimmt und das war jetzt die perfekte Gelegenheit zur Recherche 😉
      Viele Grüße
      Maria

  2. Tabea Antworten

    Bei Weihnachten denke ich zu erst an Geschenke – weil ich eben sooo viele machen und verpacken muss 😉 Und sonst kommt mir da leckerer Kram (Lebkuchen, Plätzchen) in den Sinn, nervige Musik und unnötige Deo.

    Dass du dir nun die Geschichte hinter dem Weihnachtsmann zusammengesucht hast, freut mich sehr. War interessant, sie zu lesen! Allerdings dachte ich immer, dass dieser Bischof nur für den Nikolaustag verantwortlich ist…

    Dass der religiöse Teil mit Jesus erst durch Martin Luther wieder kam, hätte ich auch nicht erwartet…

    Aber egal, wer die Geschenke nun bringt – hauptsache sie gefallen dem Beschenkten 🙂

    Liebe Grüße

    1. Maria Antworten

      Hallo Tabea,
      lieben Dank für die schönen Worte 🙂 Die Geschichte um den Weihnachtsmann hat mich, in ihrer Komplexität, bereits bei den Recherchen überrascht. Es ist unglaublich kompliziert… Die erste Fassung des Beitrags war auch ewig lang und ich musste ordentlich kürzen, sonst wäre es ein Roman geworden *hehe*
      Liebe Grüße
      Maria

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