Brügge – Eine Reise in die Vergangenheit

Als ich mich entschied, durch Belgien zu touren, konnte ich Brügge nicht auslassen. Brügge wurde mir als die schönste Stadt Europas angepriesen und der berühmte Film „Brügge sehen und sterben“ unterstützt diese Idee. Daher war ich entsprechend neugierig auf das kleine Brügge.

Leider erfüllte die belgische Stadt nur teilweise die Erwartungen, die vor der Reise geweckt wurden. Versteht mich nicht falsch, Brügge ist wirklich eine schöne mittelalterliche Stadt, die größtenteils erhalten geblieben ist. Modernes sieht man in Brügge kaum. Das Problem lag an den extrem vielen Touristen. Meistens lass ich mich von Touristen nicht stören – bin ja selber einer – aber in Brügge wurde es selbst mir zu viel. Massen! Das habt ihr noch nicht gesehen! Vermutlich waren die Massen gar nicht mal mehr als in Brüssel oder Gent, das Problem liegt an der kleinen Stadt. Enge Straßen, Gassen und eher kleine Plätze zwangen die Touristen zusammenzurücken.

1. Erste Schritte in Brügge

Wir kamen am späten Vormittag aus Brüssel an. Die Reise mit dem Auto von Brüssel nach Brügge beträgt in etwa zwei Stunden. Unser Hotel lag ein wenig abseits der Altstadt, daher checkten wir erst ein und parkten das Auto in dem hoteleigenen Parkhaus – Vorsicht! Belgische Parkhäuser sind extrem eng – und suchten uns zu Fuß den Weg in die Innenstadt.

Das Stadtzentrum zu finden war wirklich keine Schwierigkeit. Brügge ist nun mal nicht besonders groß. Als Regel würde ich sagen, einfach den Touristenmassen folgen, dann klappt das wunderbar. Auch alleine würde man den Weg gut finden, ich hatte den Eindruck, es gibt nämlich nur einen großen Weg, der Rest sind Alleen und kleine Gassen 😊

Unser erster Stopp war auf dem großen Platz ‚t Zand – ein großer offener Platz – wo sich die Touristeninformation befindet. Wir hofften, eine Stadtführung buchen zu können, aber außerhalb der Ferienzeiten finden sie wohl nur am Wochenende statt. Na gut… schade, aber wir zogen zu Fuß weiter. Der Brunnen, die mitten auf dem Platz steht (Bild links), ist neueren Datums uns stellt wohl Szenen aus der Geschichte der Stadt dar.

2. Die Brügger Reien

Was in Brügge neben den mittelalterlichen Gebäuden und den kleinen Gassen auffällt, sind die vielen Kanäle, oder Brügger Reien, wie sie richtig genannt werden. Benannt wurden sie wohl nach dem Fluss Reien.

Vor langer Zeit war Brügge eine große Handelsmetropole und Herrschaftssitz. Die Blütezeit verdankte Brügge der direkten Verbindung zur Nordsee über den Zwin, ein Seearm der Nordsee, der nach einer Sturmflut entstand und – unglücklicherweise für Brügge – im 15. Jahrhundert versandete. Damit verlor die Stadt jegliche Bedeutung für den Handel und verarmte. Tja… so kann’s gehen!

Brügge – Altes Sankt-Jans-Hospital

Direkt am Wasser und sehr prominent steht noch heute das Alte Sankt-Jans-Hospital. Warum prominent? Nun… in Brügge sind oft Kutschen mit Touristen oder Gruppen aus Brüssel und Umgebung mit Reiseleitern unterwegs und alle erzählten lange vor dem Krankenhaus von seiner Geschichte und seiner Bedeutung. Da es wohl schon seit dem 12. Jahrhundert in Betrieb ist, wundert mich seine Bedeutung für die Stadt weniger. Heute ist das alte Gebäude ein Museum, das Krankenhaus ist in ein moderneres Gebäude gezogen. Wen wundert’s?

3. Markt und Belfried

Wie auch in anderen Belgischen Städten wird das Zentrum Brügges vom Grote Markt – dem Großen Marktplatz – geprägt. Es ist beeindruckend, wenn man aus den kleinen verwinkelten und sehr mittelalterlich wirkenden Straßen auf den großen Platz kommt. Wie in Brüssel ist mir dabei vor Bewunderung schon ein wenig die Luft weggeblieben 😊

Was fällt besonders auf? Zum einen das schöne weiße Gebäude – der Provinciaal Hof – das heute als Regierungssitz der Provinz Westflandern aber auch als Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude genutzt wird. Früher endete an diesem Punkt die Zwin und die Waterhalle diente den Handelsschiffen als Ziel. Nachdem die Zwin versandete, wurde die Waterhalle abgerissen.

Zum anderen fällt der Blick wie von selbst auf den stolzen Belfried. Seine wichtigste Funktion war nach der Errichtung im 13. Jahrhundert der Brandschutz, da man vom Belfried, der höchste Turm der Stadt, ganz Brügge gut überblicken konnte. Bis heute dürfen die Gebäude in Brügge nicht höher sein, als der Belfried.

4. Brügge und seine Burg

An dieser Stelle bloß nicht täuschen lassen 😊 Die Burg von Brügge ist keine Burg im eigentlichen Sinne, sondern ein offener Platz. Im Wesentlichen kann man da das schöne Rathaus und die Heilig-Blut-Basilika besichtigen. Leider wurde der Platz bei meinem Besuch renoviert, so dass ich keine schönen Fotos vom Rathaus machen konnte…

Die Heilig-Blut-Basilika könnt ihr aber auf dem Bild links sehen und sie sieht von außen nicht wie eine Basilika aus, was mich sehr fasziniert hat. Angeblich soll hier eine der wertvollsten Reliquien der Christenheit überhaupt aufbewahrt sein und zwar eine Ampulle mit dem Blut Christi. Nun gut… wer’s glauben mag 😊

5. Brügge Impressionen

Eine letzte schöne Sehenswürdigkeit über die wir eher zufällig gestolpert sind, ist die Liebfrauenkirche. Leider war die Kirche aus Gründen, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, geschlossen. Sonst hätten wir eine wunderschöne frühe Plastik Michelangelos – die Brügger Madonna – sehen können. Vielleicht komme ich doch noch irgendwann nach Brügge, um die Kirche und die Madonna zu besichtigen.

Brügge - Liebfrauenkirche

Alles, aber auch wirklich alles in Brügge ist richtig alt. Die Stadt hat zwar nach der Versandung der Zwin jegliche Bedeutung für den Welthandel verloren, aber das war auch ein Glück für die Stadt selbst. Sie wurde nie zerstört – weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg. Die Atmosphäre, die in dieser sehr alten Stadt herrscht, ist wunderschön und wenn man die Augen schließt und die Kutschen hört, kann man sich gut ins Mittelalter versetzen.

Es gibt ein extrem seltsames Phänomen in dieser kleinen Stadt: nach 18 Uhr stirbt sie faktisch aus. Die ganzen Touristenbussen fahren wieder dahin zurück, wo sie hergekommen sind und hinterlassen eine Geisterstadt. Ich kann es schlicht nicht anders beschreiben. Da wir in Brügge übernachtet haben, konnte ich tatsächlich erleben, wie eine Stadt einschläft.

Fazit

Brügge hat mir nicht so wahnsinnig gut gefallen, wie ich gedacht hätte. Ich finde es gibt kein Vergleich zu Brüssel oder Gent, die sich bei aller Geschichte, in die Moderne haben retten können. Sie beeindrucken mit alt und neu und sind pulsierende Metropolen im wunderschönen Belgien.

In Brügge hatte ich das surreale Gefühl, wir laufen durch eine Filmkulisse, die mit Drehschluss zur reinen Fassade mutiert. Es war irgendwie unheimlich. Noch einmal würde ich in Brügge nicht übernachten wollen. Ein Tagesausflug könnte ich mir dennoch gut vorstellen 😊

Landestypische Köstlichkeiten: Europa kulinarisch.


4 thoughts on “Brügge – Eine Reise in die Vergangenheit

  1. […] nach mehreren Besuchen habe ich noch nicht genug von der schönen Hauptstadt Belgiens. Zusammen mit ... faszinationeuropa.de/2017/04/28/7-stopps-in-bruessel
  2. Ela Antworten

    Hallo,
    ich hab deinen Artikel gerade in einer FB-Gruppe entdeckt und wollte meine Eindrücke an diese Stadt noch mal auffrischen.
    Du hast recht, Brügge schien auch bei unserem Besuch überfüllt von Touristen zu sein.
    Als wir da waren, fuhr eine Kutsche nach der anderen, unzählige Radfahrer und dann natürlich Touristen zu Fuß wie wir.
    Man wusste wirklich kaum wohin man ausweichen sollte und alles wirkte beengt.
    Nichtsdestotrotz ist eine es wunderschöne Stadt die mich beeindrucken konnte.
    Leider habe ich das Phänomen nach 18 Uhr nicht beobachten können, da wir nachmittags schon zurück nach Groede fuhren.
    Liebe Grüße
    Ela

    1. Maria Antworten

      Hallo Ela,
      Brügge ist schon ein Phänomen für sich 🙂 Ich habe mich auch mitten auf den Großen Platz gestellt und die Augen zugemacht. Da wirkte es schon sehr wie im Mittelalter, mit den ganzen Kutschen und dem Hufgeklapper der Pferde. Okay, die Handyklingeltöne haben die Illusion etwas zerstört, aber ich konnte sie gut ignorieren.
      Eine so alte Stadt besuchen zu können, hat immer etwas für sich.
      Liebe Grüße
      Maria

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