Xanten und die Moderne

Vom APX nach Xanten sind es nur ein paar Meter. Bei einem gemütlichen Spaziergang vom Archäologischen Park zur modernen Stadt Xanten kommt man an einigen markanten Sehenswürdigkeiten vorbei. Folgt meinen Schritten auf einen Rundgang durch die kleine Stadt mit römischen Wurzeln.

Eine (wirklich sehr kurze) Geschichte von Xanten. Die Region um das heutige Xanten war schon zu Römerzeiten bewohnt – daher hat Xanten auch die Möglichkeit, an einen Archäologischen Park zu grenzen. Der Märtyrer St. Viktor war maßgeblich verantwortlich für den Ausbau der Siedlung Xanten im 8. Jahrhundert und heute ist das moderne Xanten offiziell anerkannter Erholungsort in Nordrhein-Westfalen.

Vielleicht noch kurz zum Märtyrer St. Viktor, der in Xanten eine bedeutende Funktion einnimmt. Nicht nur ist der schöne Dom ihm geweiht, seine Gebeine sollen auch angeblich seit dem 12. Jahrhundert in einem Schrein in den Hochaltar im Xantener Dom ruhen. Viktor weigerte sich, den römischen Göttern zu dienen und blieb dem Christentum treu ergeben. Dafür musste er, zusammen mit – der Legende nach 330 – seinen Gefährten qualvoll sterben.

1. Krimhild-Mühle

Nach der Zerstörung der Stadtmauer im Dreißigjährigen Krieg hat die Stadt Xanten eine neue Mauer mit mehreren Wehrtürmen errichtet. Im Laufe der Zeit mussten die meisten Türme aus Geldnot verkauft werden. Viele Türme wurden abgerissen, damit allerdings keine Lücke in der Mauer entstand, wurde an der Stelle der Türme oft ein anderes Bauwerk errichtet.

Eines dieser Bauwerke ist die Krimhild-Mühle, die heute – nach mehreren Besitzerwechseln – der Stadt Xanten gehört und als Restaurant genutzt wird.

2. Das Klever Tor

Errichtet im 14. Jahrhundert ist das Klever Tor eines der letzten Spuren der mittelalterlichen Stadtmauer, die einst die Stadt Xanten umgab. Heute wird das Klever Tor als Ferienunterkunft mit drei Ferienwohnungen genutzt (Bild unten links).

3. Evangelische Kirche

1648/49 gebaut, hat die Evangelische Kirche eine Besonderheit, die mich hat staunen lassen. Da in der Nähe der Kirche nicht ausreichend viel Platz für einen Friedhof war, wurde die Kirche kurzerhand unterkellert. Bis spät ins 18. Jahrhundert wurden die Gemeindemitglieder somit praktisch im Keller der Kirche begraben (Bild oben rechts).

4. Gotisches Haus

Sehr auffallend direkt am Eingang zum Markt steht das Gotische Haus. Gebaut wurde das Gotische Haus wahrscheinlich im Jahr 1540 mit Steinen aus der ehemaligen römischen Kolonie, auf dessen Gelände sich heute der Archäologische Park befindet.

Vom ursprünglichen Haus sind nur die Fassade, einige Wände und der Dachstuhl erhalten geblieben. Wenn man danebensteht, kann man richtig erkennen, welcher Teil des Hauses noch original und welcher nachgebaut wurde 🙂 (Bild unten links)

5. Marktplatz

Der zentrale Punkt in Xanten ist der große Marktplatz. Auch als Neuling in Xanten kann man sich kaum verlaufen, da praktisch alle Wegen in der Innenstadt zum zentralen Marktplatz führen und man von dort den Rundgang immer neu beginnen kann (Bild oben rechts).

6. Dom St. Viktor

Vom Markt aus ragen die beiden Türme des Doms St. Viktor unübersehbar in den Himmel. Der Zugang zum Dom führt zwischen zwei Restaurants und einer Unterführung direkt zum Südportal. Den Dom betritt man nämlich nicht mehr durch den Haupteingang, sondern durch das Südportal.

St. Viktor wurde ursprünglich im Stil der Romantik begonnen. Mittendrin entschieden sich die Architekten allerdings, den Stil zu ändern und bauten eine Gotische Kirche.

Es ist hoch faszinierend im Xantener Dom zu stehen und nach den Übergängen zwischen der Romantik und der Gotik in der Architektur zu suchen. An manchen Stellen sind die Übergänge unübersehbar. Wenn ihr auf dem Bild oben links genau hinschaut, könnt ihr sehen, dass die Fenster ganz links und der Spitzbogen darunter anders gebaut sind, als die Fenster und Spitzbögen auf der rechten Seite. Diese Unterschiede sind im Xantener Dom überall zu finden.

Wenn man sich die Zeit nimmt und in die Krypta heruntersteigt, kann man die (mutmaßlichen) Gräber des Märtyrers Viktor – Namensgeber des Doms – und seinen Gefährten besuchen (Bild oben rechts).

Am meisten beeindruckt hat mich allerdings der Kreuzgang, der wohl im 14. Jahrhundert im Innenhof des Doms gebaut wurde. Wenn man durch die Gänge spaziert, kann man sich gedanklich sehr gut ins Mittelalter versetzen.

7. Rathaus

Das weiße Haus am Markt fällt einem sofort ins Auge. Soweit ich verstanden habe, beherbergt das Gebäude nur in jüngster Zeit tatsächlich das Rathaus der Stadt Xanten.

Früher stand an der Stelle wohl ein Kloster, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Der Neubau diente als Lehrerseminar (erst für Lehrerinnen und später – in der NS Zeit – für Lehrer des Regimes). Nach dem ersten Weltkrieg war das Gebäude wohl vorübergehend Krankenhaus, dann Wohnheim. Was ein Gebäude im Laufe der Zeit alles durchmachen muss 😉

8. Karthaus

Vor langer Zeit – geschätzt etwa 400 Jahre – war das Karthaus ein römisch-katholisches Kloster für den Kartäuser-Orden. Der Orden wurde von Napoleon zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschlossen und die Kartäuser zogen sich aus Xanten zurück. Das Gebäude durchlebte mehrere Umbauten und Besitzer, bis es schließlich im Besitz der Stadt Xanten gelangte. Heute beherbergt das ehemalige Kloster ein Sammelsurium aus verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten (Bild unten links).

9. Arme-Mägde-Haus

Zwar sieht das Haus nicht gerade ärmlich aus, ist aber im 16. Jahrhundert dafür gebaut worden, um älteren und meist armen Frauen, die damals in der Kirche bzw. für die Kirche gearbeitet hatten, eine sichere Unterkunft im Alter zu bieten (Bild oben rechts).

10. Sonstiges

An jeder Straßenecke in Xanten steht eine kleine Wasserpumpe, teilweise sehr künstlerisch gestaltet, die praktisch jeden einladen, bei warmen Temperaturen seine Wasserflasche aufzufüllen. Solche kleinen Wasserbrunnen oder auch kleine Pumpen finden sich oft in touristisch stark geprägte Städte – wie z.B. in München.

In Xanten allerdings, darf man dieses Wasser entweder nicht trinken oder die Pumpen funktionieren überhaupt nicht. Da fragt man sich schon, warum die überhaupt überall rumstehen? Zur Verschönerung der Stadt? Na ja… schön anzusehen sind sie, aber mir wäre es – besonders an heißen Tagen – lieber, wenn sie funktionieren würden.

Eine andere Besonderheit von Xanten, die mich verwundert hat, waren die Souveniershops, oder besser gesagt, das Fehlen eben solcher. Ich hatte meine Mühe wenigstens einen kleinen Laden zu finden, der Xantener Souveniers im Angebot hatte. Vielleicht hat das auch mit der Nähe zum APX zu tun, wo der kaufwillige Tourist einen großen Souvenierladen vorfinden kann. Verwundert hat es mich trotzdem.

Xanten - Restaurant am MarktFazit

Um die Innenstadt von Xanten zu erkunden, braucht der geübte Tourist etwa zwei Stunden 🙂 Daran merkt man schon, dass die Innenstadt von Xanten recht klein ist. Dafür aber verströmt sie den einzigartigen Charme der Kleinstädte.

Den Besuch in Xanten kann ich euch ans Herz legen. Es lohnt sich den Städtetrip mit einem Besuch im Archäologischen Park zu beginnen, um dann bei einem gemütlichen Spaziergang die moderne Stadt Xanten zu erkunden. Am Markt locken Restaurants mit gut bürgerlicher Speisekarte und vielen Leckereien, von Torten und Kuchen bis hin zu Eis. Da ich selbst keines der Lokale ausprobiert habe, kann ich euch keine Empfehlung geben, aber Kollegen von mir waren der Meinung, die Restaurants am Markt sind alle gleich gut


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