Die Wartburg – Wendepunkt der Geschichte

Als ich meine Reise in den Osten Deutschlands angetreten habe, stand die Wartburg wie selbstverständlich ganz oben auf meiner Liste. Sie ist unzertrennlich mit der Geschichte der Reformation verbunden und bot Martin Luther Schutz und Sicherheit vor seinen Verfolgern. Kaum ein Ort kann berechtigterweise für sie beanspruchen, eine Hauptrolle im Wendepunkt der europäischen Geschichte gespielt zu haben.

Der Aufstieg zur Wartburg geht mit dem eigenen Auto nur bis zu den ausgewiesenen Parkplätzen, direkt unter der Burg, danach geht es zu Fuß oder für einen Obolus (der Preis war so gering, dass ich nicht mal mehr weiß, wie viel das war) mit einem Minibus bis zum Eingang. Ich ließ mich fahren – ich bin der größte Faulpelz der Welt, ich weiß 😊

Wartburg - Eingang

Ich kann zwar nur schätzen, aber ich glaube der Weg zu Fuß dauert nicht länger als 10 bis 15 Minuten. Vorsicht aber! Es geht recht steil nach oben. Aussteigen kann man direkt am Eingang der Burg und hat schon den ersten wunderschönen Blick auf die Wartburg in ihrer ganzen Pracht.

Wartburg

Sie ist eher länglich als hoch und mit nur einem Turm, der mehr ein Türmchen ist. Am Eingang fällt auf, dass die Menschen im Mittelalter um einiges kleiner Waren, als wir heute. Ich bin 1,65 groß und die Tür am Eingang war selbst für mich zu klein. Auch wenn wir davon ausgehen, dass die Türen kleiner als die Menschen gemacht wurden – warum auch immer – aus heutiger Sicht waren die Menschen damals schon recht klein.

Die Wartburg setzt sich zusammen aus zwei Teilen und hat zwei Höfen. Der erste Hof, eher klein und länglich, wird vom weißen Wehrturm auf der linken Seite begrenzt. Auf der rechten Seite befinden sich kleine Wirtschaftsgebäude. Der Zweite Hof (unten im Bild) besteht aus den repräsentativen Räumen im Palas. Unter anderen finden wir in diesen Gebäuden den berühmten Lutherraum, wo er sich als Junker Jörg versteckt gehalten und das Neue Testament ins Deutsche übersetz hat. Aber auch der wunderschöne ritterliche Festsaal ist hier zu finden.

Leider ist es – wie in den meisten Burgen und Schlösser – absolut verboten, Fotos im inneren der Burg zu machen. Nicht einmal für den privaten Gebrauch… schade. Die Wartburg wurde zu Beginn des neuen Jahrtausends (also das Jahr 1.000 😊) gebaut und wurde 1999 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt – etwas spät, wenn ihr mich fragt.

Die Burg ist in ihrer heutigen Erscheinung größtenteils eine Rekonstruktion, da die Originalburg durch Blitzschlag und Feuer, sowie natürlichem Zerfall mehr und mehr zerstört wurde. Dennoch merkt man gar nichts von der „Replik“. Sieht alles sehr echt aus – wobei nicht vergessen werden darf, dass einige Teile (wie der Turm) noch tatsächlich original erhalten geblieben sind.

Wenn ihr im zweiten Hof seid, nehmt euch die Zeit und umrundet entlang der Burgmauern die Umgebung. Es gibt einige atemberaubende Ausblicke, unter anderem auch von der kleinen aber berühmten Stadt Eisenach. Vielleicht wäre es gut an diesem Punkt zu erwähnen, dass Eisenach nicht nur mit Luther verbunden ist. 1685 wurde hier Johann Sebastian Bach geboren.

Wartburg vom Aussichtspunkt

Ich selbst hatte noch einen zweiten Grund, warum ich die Wartburg unbedingt sehen wollte und das hat nicht unbedingt mit Luther zu tun, sondern mit Ludwig dem II. von Bayern, der die Wartburg – bzw. den Großen Festsaal – als Vorbild für sein Neuschwanstein genutzt hat. Mir wurde auch häufig erzählt, dass Neuschwanstein nur eine Kopie der Wartburg sein soll und dem in Glanz und Gloria gar nicht entsprechen kann.

Sehe ich aber anders. Die Wartburg und Neuschwanstein sind in meinen Augen zwei verschiedene Orte – die Burg, ein organisch gewachsener und über die Jahrhunderte getreu der architektonischen Mode der Zeit ergänzter Ort und das Schloss, ein künstlich geschaffenes Märchen. Ludwig der II. wusste besser, wie Märchen funktionieren und Neuschwanstein ist sein Traum in Weiß. Ich finde, in dieser Funktion, ist Neuschwanstein perfekt! Wenn auch leider unvollendet…

Fazit

Als Teil der deutschen und europäischen Geschichte, aber auch als Fan von mittelalterlichen Burgen und Schlösser, war der Besuch auf der Wartburg für mich ein Highlight. Ich kann ein Besuch nur jedem ans Herz legen.

Link zur Homepage: Wartburg.

Öffnungszeiten: täglich zwischen 8:30 und 17:30 geöffnet. Tickets kosten für Erwachsene 12 Euro (ermäßigt 8 Euro). Dazu gibt es Audioguides, die sehr gut gemacht sind und hervorragend durch die Burg führe.


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