Glücksbringer zu Silvester und Neujahr

Guten Rutsch! Ein Ruf, der am 31. Dezember von nah und fern zu hören ist. Guter Rutsch? Warum eigentlich? Die Vorstellung eines fröhlich Feiernden, der auf einer riesigen Rutsche ins Neue Jahr schlittert, formt sich fast unmittelbar vor dem geistigen Auge. Dennoch hat „Guter Rutsch“ nichts mit einer Rutsche gemeinsam. Warum wünschen wir uns dann aber einen guten Rutsch?

„Rosch“ stammt aus dem Jiddischen und bedeutet „Anfang“. Der zweitägige Festtag „Rosch ha-Schana“ wird am 1. und am 2. Tischri (Beginn im September und Ende im Oktober) gefeiert. Auf Hebräisch bedeutet „Rosch ha-Schana“ wörtlich übersetzt „Kopf des Jahres“. Wir können davon ausgehen, dass das Fest den Anfang des jüdischen Jahres markiert.

Somit wünschen wir uns am Silvesterabend einen „Guten Anfang“ ins Neue Jahr.

In Deutschland ist es Brauch, dem Gastgeber einer Silvesterfeier kleine Geschenke zu überbringen, die Glück und Wohlstand symbolisieren. Einige der bekanntesten Glücksbringer habe ich hier für euch aufgelistet:

Der Schornsteinfeger

In früheren Zeiten war für die Bewohner eines Dorfes nichts gefährlicher, als der Ausbruch eines großen Feuers. Durch die meist sehr enge Bebauung in den mittelalterlichen Dörfern, war die Gefahr groß, dass ein Brand von einem Haus zum anderen sprang und somit das ganze Dorf niederbrannte. Eine wesentliche Gefahrenquelle für einen Brand war ein verstopfter Kamin. Der regelmäßige Besuch eines Schornsteinfegers war somit auf lange Sicht lebensrettend und damit glücksbringend.

Der Glaube an die magischen Eigenschaften des Schornsteinfegers weiteten sich über die Jahrhunderte aus. Unsere Vorfahren glaubten, dass der Schornsteinfeger durch seine dunkle Kleidung die Macht besitzt, den Teufel zu vertreiben. Wer Ruß von der Kleidung eines Schornsteinfegers an sich kleben hat, genießt laut Legende einen besonderen Schutz vor Krankheiten.

Das Glücksschwein

„Da hast du aber Schwein gehabt!“, sagt eine Redewendung, wenn eine Person besonders großes Glück hatte, nicht nur zu Silvester und Neujahr. Woher kommt aber die Verehrung des Schweins als Glücksbringer?

In früheren Zeiten konnten sich nur wenige Familien Fleisch leisten. In vielen europäischen Kulturen war das Schwein ein Symbol für Reichtum und Glück. Wer Schweinefleisch am Neujahr essen konnte, durfte auf ein erfolgreiches und glückliches Jahr hoffen.

Darüber hinaus hatte das Schwein in den europäischen Kulturen eine vielfältige Bedeutung. Zum einen war der Eber ein heiliges Tier für die germanischen Götter, während die Sau als Fruchtbarkeitssymbol gefeiert wurde.

Heute überbringen die Gäste dem Gastgeber kein ganzes Schwein mehr – wäre in einer Mietwohnung allerdings mal lustig zu beobachten J , sondern begnügen sich mit der symbolischen Darstellung eines meist fröhlich lächelnden kleinen Schweinchens aus Marzipan, Schokolade oder als Kerze. Die Bedeutung des Glücksschweinchens als Geschenk zum Neujahr ist dennoch ungebrochen: die Gäste wünschen dem Gastgeber Wohlstand und Erfolg im Neuen Jahr.

Das Hufeisen

Für die Bedeutung als Glücksbringer gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Eine mögliche Erklärung wird von der Legende des Heiligen Dunstan, seines Zeichens Hufschmied, geliefert. Er wurde einst vom Teufel gebeten, ihm die Hufe zu beschlagen. Dunstan nutzte die Gunst der Stunde und schlug dem Teufel so fest und so lange auf die Hufe, bis der Teufel gelobte, alle mit seinen Heimsuchungen zu verschonen, die ein Hufeisen im Hause hatten. Wenn ein Hufeisen im Haus aufbewahrt wird, um damit vom Teufel verschon zu bleiben, sollte es an hoher Stelle (Türrahmen, Deckenbalken) angebracht sein. Die Legende deutet darauf hin, dass der beste Platz für das Hufeisen über der Türschwelle sei. So hindert man den Teufel daran, überhaupt das Haus zu betreten.

Eine andere, dafür aber viel pragmatischere Erklärung bezieht sich schlicht auf den materiellen Wert des Hufeisens. Früher, als Pferde noch als Nutz- und Reittiere gehalten wurden, waren Hufeisen sehr kostspielig. Wer ein herumliegendes Hufeisen fand, konnte sich als echter Glückspilz bezeichnen. Damit das Hufeisen seine glücksbringende Wirkung entfalten konnte, durfte man es nicht aktiv suchen, sondern zufällig finden.

Der Fliegenpilz

Ein typischer Glücksbringer zum Neujahr ist der Fliegenpilz. Aus heutiger Sicht ist nicht mehr ganz nachvollziehbar, warum ausgerechnet ein giftiger Pilz als Glücksbringer fungiert. Es ist kaum anzunehmen, dass selbst die Menschen in früheren Zeiten Gift als Glücksbote betrachtet haben. Und dennoch sind sich verschiedene Quellen darüber einig, dass die hypnotische Wirkung des Fliegenpilzgiftes zum Teil zu seiner Erhebung in den Glücksbringerstand führte.

Bekannt ist auch, dass der Fliegenpilz von den Germanen als heilig verehrt wurde. Laut Legenden wurde der Fliegenpilz von Wotans Pferd geschaffen. Wotan, der Gott der Toten, des Krieges aber auch der Ekstase, trieb sein Pferd über die Erde und der Schaum des Pferdes troff auf den Boden. Wo es die Erde berührte, wuchs fast ein Jahr später der Fliegenpilz.

Glücksklee

Wer in der Natur ein vierblättriges Kleeblatt findet, gilt als großer Glückspilz, da die vierblättrigen Pflanzen eher selten anzutreffen sind. Im Volksmund sagt man auch, dass ein Glücksklee erst die volle Wirkung entfalten kann, wenn es nicht gezielt gesucht, sondern zufällig gefunden wurde – durch Glück eben. Besonderes Glück bringt ein vierblättriges Kleeblatt, wenn es verschenkt wird. Das Glück wirkt auf Schenkenden und Beschenkten gleichermaßen.

In der christlichen Interpretation erinnert das vierblättrige Kleeblatt an das heilige Kreuz und soll somit vor allem Bösen schützen – vor dem Teufel, vor Hexen und Zauberer.

Glückspfennig / Glückscent

„Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert.“ Diese Redensart kennen wir alle. Es bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass ein Mensch, der nicht in der Lage ist, sich über die kleinen Ereignisse des Lebens zu freuen, es gar nicht verdient, Größeres zu erfahren.

Andererseits ist der Glückspfennig oder (in der heutigen Euro-Zone) der Glückscent das Symbol für einen Anfang oder einen Neuanfang, wenn auch noch so klein.

Der Glaube an den Glückstaler geht wohl auf die Römer zurück, die ihren Göttern am Jahresbeginn Münzen schenkten, um sie gnädig zu stimmen.

Marienkäfer

Der Marienkäfer, manchmal auch Glückskäfer genannt, wurde im Mittelalter der heiligen Maria gewidmet und gilt seitdem als großer Glücksbringer. Es soll großes Unglück bringen, wenn man absichtlich einen Marienkäfer tötet. Ein roter Marienkäfer mit sieben schwarzen Punkte soll das höchste Glück bringen.

Ich wünsche all meinen Lesern einen guten Rutsch ein glückliches Neues Jahr!


One thought on “Glücksbringer zu Silvester und Neujahr

  1. Tabea

    Ein schöner Post. Ich mag ja die Hufeisen besonders gern, wobei ich auch Schornsteinfeger echt dekorativ finde.
    Da bleibt mir also nur zu hoffen, dass ich irgendwann auch mal ein Eisen finde…

    Den Post verlinke ich am besten Silvester in meinen Linktipps.

    Liebe Grüße

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